Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
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Franz Freiherr yon Uchatius.

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Abb. 8. Feldgeschütz M 75, 1875.

ein über die Kokille gesetzter Einlauftrichter als vorzügliches Hilfsmittel. Neben diesen Gußversuchen wurden die rohrartig ausgebohrten Stücke in kaltem Zustand von innen heraus durch Einpressen von Preßkolben aus Stahl weiter behandelt und damit die innersten Metall­schichten gehärtet und in elastische Spannung versetzt. Bei diesem Verfahren, das Uchatius selbst erdacht hat, ergibt sich ein innerer Aufbau der Rohrwand, der jenem der künstlichen Metallkonstruktion gleichkommt.

Um zu beweisen, daß die Metallagerung mit ihrer nach außen abnehmenden Spannung in den nach diesem Verfahren hergestell­ten Rohren der in den einzelnen Schichten radial abnehmenden Be­anspruchung beim Schuß entspreche, ließ Uchatius am Rand einen Ring abstechen, dessen Innendurchmesser sich beim Abspringen sofort so verklei­nerte, daß der Ring nicht mehr in seine alte Lage zurückgebracht werden konnte.

Über diese Versuchsreihen, die im September 1873 abgeschlossen waren, berichtete Uchatius sodann in einem am 10. April 1874 im Arsenal in Gegenwart des Feldzeugmeisters Erzherzog Wilhelm und anderer maßgebender Herren der Heeresverwaltung abge­haltenen Vortrag. Darin bezeichnete er die neue Legierung erst­malig als Stahlbronze und bewies ihre Überlegenheit gegen­über dem Stahl von damals, bei dessen Verwendung man auf das Ausland angewiesen sei und der außerdem weitaus teurer sei als die iminland herzustellende Stahlbronze. (Vortrag, gedruckt im Selbst­verlag des Verfassers unter dem Titel ,,Stahlbronze, Wien 1874.)

Die Wirkung, die dieser Vortrag auslöste, war eine gewaltige:

Nun endlich ergab sich für die österreichische Heeresverwaltung die langgesuchte Möglichkeit, die unaufschiebbare Erneuerung des Feldgeschützmaterials im Inland durchführen zu können. Nun war es nicht notwendig, die Bestellung den außerhalb der Grenzen der Monarchie gelegenen Kruppwerken zu überlassen. Das tech­nische und administrative Militärkomitee allerdings, dessen Präses damals Feldmarschalleutnant Arthur Graf Bylandt-Reith war, hielt noch einige Zeit an dem von ihm verfochtenen Plan fest, auf Grund der 1873/74 mit einer von KRUPP-Essen beigestellten 8,7-cm-Stahlrohr-Probebatterie gemachten wohlgelungenen Versuche, diesem aus­ländischen Unternehmen die Lieferung des gesamten österreichischen Feldgeschütz­materials zu übergeben. Aber Erzherzog Wilhelm stand von vorneherein auf Uchatius Seite. Diesem gelang es bald, auch den Kriegsminister General der Kavallerie Alexander Freiherrn von Koller davon zu überzeugen, daß das

Abb. 9. Ring­granate 1875.