60
Erich Kurzel-Runtscheiner
neue Geschützmaterial aus heimischer Stahlbronze erzeugt werden könne und müsse. Rasch wurden Probegeschütze verfertigt und erprobt. Deren vorzügliche Erfolge zwangen endlich auch das Militärkomitee seinen bis dahin ablehnenden Standpunkt aufzugeben, und am 21. Juni 1875 erteilte auch der Kaiser seine Genehmigung. Dem Militärkomitee wurde sein Nachgeben dadurch erleichtert, daß das Geschützmaterial, daß die Bezeichnung M 75 erhielt, wenn schon mit Rohren aus Stahlbronze ausgerüstet, was Gesamtaufbau anlangt, nach Komiteeplänen hergestellt wurde und den vom Komitee empfohlenen Flachkeilverschluß erhielt. Die Ge-
( tM&Oif***** rAe ~"<-r
f/rt
A, //.
y <• y 4 '—.
Abb. 10. Darstellung des Gußverfahrens, der Vergütung durch Pressen und des Einschneidens
der Züge.
Aus der eigenhändigen „Beschreibung des Verfahrens bei Erzeugung von Geschützrohren aus Stahlbronze “.
schosse, die für diese Geschütze bestimmt waren, erhielten Kupferringführung. Unter ihnen verdanken die damals erstmalig erzeugten Ringgranaten ihr Entstehen einem von Uchatius entwickelten Erfindungsgedanken.
Noch während des Jahres 1875 bewilligten die Delegationen die Flüssigmachung von 17,797.000 fl. in zwei Jahresraten. So konnte dann die Umwandlung des gesamten Feldgeschützmaterials der Österreichisch-ungarischen Armee in der von Uchatius geleiteten Arsenalwerkstätte binnen zwei Jahren durchgeführt werden.
Uchatius hat für die Erzeugung der Rohre, deren Werkstoff bald allgemein „Uchatiusbronze“ bezeichnet wurde, eine mit eigener Hand niedergeschriebene und mit Skizzen versehene Anweisung ausgefertigt, die er im Kriegsministerium hinterlegte. Aus ihr ersieht man die endgültige Form der verwendeten Gußkokillen, wird über die Vorgänge beim Guß, beim Abdrehen und Bohren der Rohrrohlinge,