Aufsatz 
Franz Freiherr von Uchatius / von Erich Kurzel-Runtscheiner
Entstehung
Seite
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Franz Freiherr von Uchatius.

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beim Stauchen der Lauffläche, beim Durchbrechen des Querloches für den Verschluß und beim Einschneiden und Pressen der Züge unterrichtet (Abb. 10).

Der Kaiser, der im Sommer 1875 die Artilleriezeugsfabrik besichtigt und auch einem der Probeschießen am Steinfeld beigewohnt hatte, verlieh Uchatius, den er schon am 19. Oktober 1874 zum Generalmajor ernannt hatte, ,,mit allerhöchster Entschließung vom 18. November 1875 in huldvollster Anerkennung der bei der Beschaffung des neuen Feldartilleriemateriales sich erworbenen großen Verdienste um Staat und Heer taxfrei das Kommandeurkreuz des St.-Stephan-Ordens,am 3. Dezember 1875 die Würde eines geheimen Rathes, am 6. Februar 1876 den Freiherrnstand und am 30. Juli 1877, aus Anlaß seines fünfzigjährigen Dienst­jubiläums, den Orden der Eisernen Krone 2. Klasse. Auch mit einer lebenslangen Personalzulage von 2000 fl. jährlich, wurde Uchatius bedacht. Sie gebührte ihm schon darum, weil er es ermöglicht hatte, Millionenbeträge im Inland zu ver­wenden, die man hätte an das Ausland abgeben müssen, wäre die Stahlbronze von ihm nicht rechtzeitig erfunden worden.

In diesen Jahren mußte von Uchatius und dessen Mitarbeitern, an deren Spitze als militärischer Adjutant sein Schwiegersohn, Major von Trawniczek, und sein technischer Adlatus, Oberwerkführer Thomas Wacha, der spätere Artillerieober­ingenieur, standen, wahrhaft gigantische Arbeit geleistet werden. Zwölf Stunden und mehr genügten kaum, um das tägliche Pensum zu bewältigen. Denn binnen wenigen Jahren mußten nicht bloß die 9 cm-Feldkanonen M 75, sondern auch die 7-cm-Gebirgskanonen M 75 hergestellt werden.

Sobald aber die Neubewaffnung der Feldartillerie ihrem Ende entgegenging, wurde der Artilleriezeugsfabrik mit den Vorbereitungsarbeiten des Festungs- und Küstengeschützmaterials M 80 eine neue große Aufgabe gestellt. Bis zum Jahr 1880 waren Belagerungskanonen der Kaliber 12 cm, 15 cm und 18 cm, 15-cm-Batterie- haubitzen und Belagerungsmörser der Kaliber 9 cm, 15 cm und 21 cm, deren Rohre sämtlich aus Stahlbronze bestanden, einführungsbereit.

Uchatius stand nun im Zenit seines Lebens. Fast siebzigjährig war er nun, voll ungebrochener Schaffenskraft und vom Alter ungebeugt, eine imponierende Erscheinung. So hat den am 25. April 1879 zum Feldmarschalleutnant Ernannten, der berühmte Schlachten- und Bildnismaler Professor Sigmund lAllemand wenige Monate vor seinem Tod im Auftrag des Ministeriums für Kultus und Unterricht in einem lebensgroßen Ölbildnis dargestellt. Dieses gilt als eines der besten repräsen­tativen Bildnisse dieser Zeit. Unverkennbar ist aber auf diesem Bild der Zug seelischen Leids, das Uchatius schon damals überschattet haben muß.

Als Uchatius von lAllemand gemalt wurde, waren eben die Vorarbeiten zur Herstellung eines 28-cm-KüstenVerteidigungsgeschützes im Gange, das er selbst als die Krönung seines artilleristischen Wirkens betrachtete. Es war dies das größte Stahlbronzegeschütz, das je hergestellt wurde (Abb. 11). Es ist klar, daß diese bei dem damaligen Stand der Geschütztechnik bei Verwendung welches Werk­stoffs immer als Pionierleistung zu bezeichnende Arbeit nicht ohne Reibungen und Rückschläge vor sich gehen konnte. Als die Vorarbeiten sich in die Länge zogen, gab dies den Gegnern der Stahlbronze Gelegenheit, gegen Luhatius zu schüren.