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Conrad Matsciioss
gültigen Verfall zu retten. So hat auch die Technik in den Museen Eingang gefunden, schon lange ehe der Begriff Technik in das Bewußtsein der Museumsleiter und der Besucher trat, so die Waffen in den Zeughäusern und zahllose andere Gegenstände, die schon in den Raritätenkabinetten der Fürsten gesammelt wurden.
Technische Museen, die bewußt die Zeugnisse früherer technischer Arbeit sammeln, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert, im deutschen Kulturgebiet sogar erst seit Beginn unseres Jahrhunderts. Oskar von Miller schuf nach den Vorbildern des Science Museum in South Kensington bei London und des Conservatoire National des Arts et Metiers in Paris das Deutsche Museum von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München, das größte Museum seiner Art. Unabhängig davon, aber in engster Zusammenarbeit mit ihm, wurde in Wien das Technische Museum für Industrie und Gewerbe ins Leben gerufen, das heute von jedem Kenner hoch geschätzt wird und einen kulturell wertvollen Stein in der großen Krone der ausgezeichneten Museen Wiens bildet.
Es liegt im Wesen der Technik, daß ihr immer nur das Neueste als wertvoll erscheint, daß das Altere, das seinem Zweck nicht mehr voll entspricht, an Wert stark verliert. Es ist hier nicht so, wie beim reinen Kunstwerk, das mit dem Alter nicht nur nichts von seinem Wert verliert, sondern sogar noch gewinnt. Die Gefahr, daß das technische Erzeugnis von seinem Schöpfer, dem Techniker selbst, wieder vernichtet wird, wenn es seine Aufgabe erfüllt hat, um durch etwas Neues ersetzt zu werden, ist daher sehr groß. Um so mehr ist es notwendig, wenigstens einiges als technische Kulturdenkmale vor dem drohenden Untergang zu retten und der Nachwelt zu erhalten. Die Museen, vor allem die technischen Museen, sind berufen, diese Quellen für die Technikgeschichte zu sammeln und vor dem Verfall zu schützen. Es kann natürlich nicht der Zweck eines technischen Museums sein, jedes Erzeugnis früheren technischen Schaffens wähl- und kritiklos zu erfassen und für alle Zeiten aufzustapeln. Es kann sich vielmehr nur darum handeln, einmal das für eine bestimmte Zeit oder Landschaft oder für ein Volk Kennzeichnende aufzubewahren, zum andern aber aus der Aufeinanderfolge der Erzeugnisse einer bestimmten Art die Entwicklungslinien aufzuzeigen.
In dem nun glücklich wieder mit dem Reich verbundenen Deutschösterreich, der alten Ostmark, mit ihrer alten, hochentwickelten Kultur, bestehen neben dem Technischen Museum in Wien eine bedeutende Zahl größerer und kleinerer Museen, Heimatmuseen, die, meist landschaftlich gebunden, mehr und mehr dazu übergehen, nicht nur Gegenstände der Kunst und des Kunsthandwerks zu sammeln und zu betreuen, sondern auch den Wahrzeichen technischen Schaffens den gebührenden Platz zu geben. Erfreulich ist es, daß manche dieser Museen, so das Heimatmuseum in Graz, den Begriff Museum, der so leicht etwas Kirchhofartiges annimmt, zu einem Heimathaus mit sehr aktiver Betätigung umgewandelt haben, wo man die schönen Erzeugnisse der Heimatkunst, die an Hand alter Originale unter der Leitung des Museums von begabten Handwerkern nachgebildet werden, käuflich erwerben kann.
Nicht nur die Museen sind berufen, technische Kulturdenkmale der Nachwelt zu bewahren, oft ist es gar nicht möglich oder auch nicht erwünscht, einen an einem bestimmten Ort befindlichen Gegenstand in ein Museum zu bringen, sondern es