Die Reste der Schwarzenberg-Schwemmanlagen an der Großen Mühl.
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der Rechen zur Abweisung des Holzes in diesen Kanal errichtet wurde. Der Holzplatz hatte, nachdem er gegen den Widerstand der Anrainer endlich vergrößert werden konnte, einen Fassungsraum von 56.000 Raummeter.
Um das Anlegen der Donauschiffe an der versandeten Donaulände zu erleichtern, wurden noch geeignete Kaimauern errichtet. Für die Unterbringung der großen Zahl von Menschen, die zur Zeit des Schwemmbetriebs in Neuhaus in Arbeit standen, wurden auch zweckentsprechende Baulichkeiten aufgeführt. Eines dieser Gebäude, das heute noch steht, wurde unmittelbar über dem großen Ausländekanal erbaut, ein Beweis, wie sehr man dort mit dem Platz sparen mußte. Daneben wurde ein Küchengebäude errichtet, heute noch erkennbar an den drei großen Rauchfängen, die auf dem im Verhältnis dazu kleinen Dach sitzen, das Gebäude führt heute noch im Volksmund die Bezeichnung „Behmkuchl“, weil dort für die aus Böhmen stammenden Triftarbeiter gekocht wurde. Es waren mehrere Hundert Arbeiter, die zur Schwemmzeit hier beschäftigt waren, ein Bericht der Linzer Handelskammer vom Jahre 1880 zählt 260 Wächter und Treiber, 650 Holzeinwerfer und 320 Vorarbeiter, Ausstecher, Leger und Trifter auf. Die Aufsicht führten die Schwarzenberg- schen „Grenadiere“, die in Uniform Dienst versahen und der in einem besonderen Gebäude in Neuhaus untergebrachten Schwemmverwaltung unterstanden.
Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Anlage war eine sehr große, vor allem hat sie auf die Holzpreise in Wien günstig eingewirkt. Trotzdem kam es dahin, daß das Schwemmprivilegium, das im Jahre 1821 nochmals erneuert worden war, seine Bedeutung verlor, so daß die Schwemmtätigkeit im Jahre 1891 gänzlich eingestellt wurde. Schuld daran trug das Entstehen einer anderen technischen Einrichtung, der im Jahre 1888 eröffneten Mühlkreisbahn, sowie auch andere Veränderungen in der Wirtschaftsgestaltung. Im Jahre 1901 wurde auf das Privilegium endgültig Verzicht geleistet.
Die Anlagen in Neuhaus waren nunmehr zwecklos, die Gebäude kamen in anderen Besitz, die Kanäle wurden zum Teil verschüttet, auf dem einstigen Holzplatz wuchs Gras und wurde Getreide gebaut. Die Rechen an der Mühlmündung verschwanden, nur die stimmungsvoll in die Landschaft gestellte hölzerne Rechenbrücke in Partenstein bheb einstweilen noch erhalten.
In die nunmehr eingetretene jahrelange Stille und Einsamkeit dieser Gegend kam neues frisches Leben, als die Wasser der Mühl einem anderen Zweck dienstbar gemacht werden sollten, in Partenstein wurde ein großes Elektrizitätswerk errichtet. Bei diesem Anlaß gingen alle ehemaligen Anlagen, Gebäude und Gründe, die der Holzschwemme dienten, in den Besitz der Oberösterreichischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-A.-G., heute Ö.K. A., über, die das Kraftwerk schuf und das „Antlitz der Erde“ hier gewaltig veränderte und damit neues Leben in das stille Tal der Großen Mühl brachte. ^
Und so findet der Besucher des Mündungsgebiets der Großen Mühl da und dort noch Reste der quer durch den ehemaligen Holzplatz gezogenen Ausländekanäle, einer davon führt in Erinnerung an die älteste Schwemmzeit noch den Namen der „Passauer Kanal“, er findet auch noch Gebäude, deren Namen auf die einstige Bestimmung hinweisen: die schon genannte „Behmkuchl“ und das „Schläglerhäusl“, das daran erinnert, daß auch das Stift Schlägl an dieser Schwemm-