Zwei Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin
Maria Theresia:
Ludwig Knaus und Friedrich von Knaus.
Ein technikgeschichtliches Kulturbild.
Von
Ing. Erich von Kurzel-Runtscheiner VDI, Wien.
Mit 8 Abbildungen.
Die Wirren des Dreißigjährigen Krieges hatten im Handwerkerstand und im Bürgerstand Deutschlands jede technische Initiative aufgezehrt. Daraus ergab sich im Sinn der Lehren des Merkantilismus und seiner österreichischen Sonderform des Kameralismus die Notwendigkeit, die fehlenden Einzelkräfte durch das Eingreifen der Staatsgewalt zu ersetzen. Daß damit die Technik mehr und mehr zur Fürstendienerin werden mußte, ist nicht verwunderlich. Ihr Zweck wurde nun in ihrer Alltagserscheinung die Mehrung der wirtschaftlichen Wohlfahrt des Staates, der völlig als Steuerdomäne des Herrscherhauses aufgefaßt wurde. In ihren Spitzenleistungen aber hatte sie dem Glanz des Hofes und der diesen umgebenden bevorzugten Stände dienstbar zu sein.
Diese Erkenntnis läßt sich ohne weiteres erweisen, wenn das Gedankengut vor uns ausgebreitet wird, aus dem im Zeitalter des Kameralismus die Grundlagen des staatlichen Lebens und der Wirtschaft der zu innerer Geschlossenheit und zu großer politischer Macht emporwachsenden Habsburgermonarchie aufgebaut wurden; der Ideeninhalt wird aber der Gegenwart nur dann deutlich gemacht werden können, wenn er durch Schilderung von Einzelschicksalen dargelegt wird. Will man beispielsweise die Technik des barocken Zeitalters, des Zeitalters des „aufgeklärten Absolutismus“, wie Johann Scherr es nannte, in ihrer Eigenschaft als „Element des höfischen Lebens“ kennenlernen, dann gibt es hierfür kaum ein besseres Beispiel, als die Lebensschicksale der Brüder Knaus, die als Meister der Kunstmechanik am Hof der Kaiserin Maria Theresia in Erscheinung getreten sind.
Unter den Handwerken jener Zeit nahm die Uhrmacherkunst eine bevorzugte Stellung ein. Die Zunft, die alle in diesem Zweig Beschäftigten umfaßte, hatte sich am Ende des Mittelalters von jener der Schmiede abgelöst, als es galt, den immer häufiger werdenden Bestellungen auf Turmuhren gerecht zu werden. Sie hatte bald darauf — bei Aufnahme der Erzeugung von Taschenuhren — einen feinmechanischen Einschlag erhalten. Dieser wurde zur Kunstmechanik, w'enn es sich darum handelte, Kunstuhren, Automatenuhren, Automatenwerke und astronomische Geräte herzu-