Josef Werndl, der Mann und sein Werk.
Von
Ing. Viktor Schützenhofer, Wien.
Mit 9 Abbildungen.
Josef Werndl ist nicht nur der großen Allgemeinheit, sondern vielfach auch technisch Gebildeten bloß als der Erfinder des nach ihm benannten Werndl-Gewehres
bekannt, während Erfinden ihm doch nur Mittel zum Zweck war, um sein überragendes wirtschaftliches und organisatorisches Talent betätigen zu können. So sollen hier gerade diese Leistungen dieses volksnahen, heimattreuen Sohnes der Eisenstadt Steyr besonders hervorgehoben werden.
Werndl und sein Werk könnte aber nie richtig verstanden werden, wenn nicht der Boden, der ihn hervorbrachte und befähigte, das ihm von der Vorsehung übertragene Werk zu vollbringen, die Zeit, in der er lebte, und die besonderen Verhältnisse derselben, in den Kreis der Betrachtungen einbezogen werden. So muß vorerst einiges aus der Geschichte der Stadt Steyr berichtet werden:
Das früheste verläßliche Dokument, in dem die zuerst bestandene Burg — die „Stirapurch“ — und die schon damals bestehende Burgsiedlung erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 985. Vorerst Eigentum der Traungauer Grafen und Herzoge, gehen Burg und der sich darum zwischenzeitig entwickelnde Ort Steyr mit der Steiermark und einem großen Teil des heutigen Oberösterreichs beim Aussterben des Traungauer Geschlechts 1192 an die Babenberger über und werden damit unter Leopold V. österreichischer Besitz.
Schon zur Zeit der Traungauer Herren wird von der Eisenverarbeitungskunst der Steyrer Handarbeiter gesprochen. Schon damals hatten die Steyrer Messerer nicht nur eine Niederlassung in Venedig, sondern sie lieferten ihre Produkte sogar bis in den Orient. In zahlreichen Privilegien des 14. Jahrhunderts wird des Eisenhandels von Steyr Erwähnung getan. Das Aufkommen des Antriebsgeräts der Zeit-
des Wasserrads — verursachte das Entstehen zahlreicher Hammerwerke im ganzen Enns- und Steyrtal, so auch in und um Steyr.
Abb. 1. Josef Werndl 1831-1889.