Viktor Schützenhofer: Josef Werndl, der Mann und sein Werk.
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Am Zusammenfluß zweier Wasserläufe, die zur Kraftnutzung ausreichendes Gefälle auf weisen, und am Weg des Eisens von der Erzgewinnungsstätte — dem steirischen Erzberg — zu den nördlichen Verbrauchsstätten gelegen, hat die Gegend um Steyr ihre Rolle in der Eisen Verarbeitung und Eisenverteilung gleichsam von der Natur zugewiesen erhalten.
1483 nimmt Kaiser Friedrich III. die Teilung der Eisenerzeugnisse des am steirischen Erzberg gewonnenen Eisenerzes auf Leoben und Steyr vor und festigt damit die Stellung Steyrs im Eisenhandel, indem er dieser Stadt alle deutsch sprechenden Länder als Absatzgebiet zuweist.
Die aus dem Jahre 1499 stammende Waldordnung Maximilian I., dem die Stadt Steyr zahlreiche Privilegien verdankt, sichert dem Erzberggebiet den zur Verhüttung des Eisens erforderlichen Brennstoff und damit den Eisen Verarbeitern und -Verlegern das benötigte Material.
Während ursprünglich jeder in Vordernberg oder Eisenerz ansässige Radmeister, d. i. der Besitzer eines zur Gewinnung des Roheisens erforderlichen Schmelzwerks, das Recht hatte, am Erzberg beliebig Erz zu schürfen, erhoben die Babenberger, als sie in den Besitz des Berges kamen, Anspruch auf das Bergregal und erließen eine Bergordnung, die den bisherigen Radmeistern gegen Entrichtung entsprechender Steuern ein bestimmtes Grubenmaß zusprach.
1625 entsteht die Innerberger Gewerkschaft, die die drei im Eisengewerbe bestehenden Faktoren: Radmeister, Verleger und Hammerherrn vereinigte, die Rechte Steyrs aber insofern schmälerte, als seine keinen Realanteil bildende Einlage gerade bei schlechtem Geschäftsgang, somit dann, wenn ihre Veräußerung oder Belehnung am nötigsten sein konnte, am schwersten verwertbar war.
Aufblühen und Niedergang des „Bergs“ — des Erzbergs — macht Steyr'immer und immer wieder mit; es gedeiht und leidet Hunger, es wird arm und wird wieder reich, bis es zur Zeit Kaiser Josef II. die engere Verbindung mit dem Schicksalsberg aufgibt und seinen Anteil an der Innerberger Gewerkschaft an die k. k. priv. Kanalund Bergbaugesellschaft in Wien verkauft. Die eingerichteten Eisen Verarbeitungsbetriebe bestehen aber weiter. Von diesen werden die kleineren mit der Erzeugung von Feuerwaffen sich befassenden Betriebe 1786 vom Militärärar übernommen, das sie zusammenfaßt und einer k. k. Feuergewehr-Fabrik-Lokaldirektion unterstellt.
Zu den selbständig gebliebenen Waffenteilerzeugern tritt 1821 ein neuer hinzu, Leopold Werndl, Josef Werndls Vater, der, einer schon lange in Steyr ansässigen und im Eisengewerbe tätigen Familie entstammend, sich nun von der bis dahin betriebenen Werkzeugerzeugung abwendet, die Waffenschmiedekunst aufnimmt und darin in wenigen Jahren großes Ansehen erlangt. Sein Betrieb war in zwei Häusern der Sierningerstraße untergebracht. Unmittelbar daran grenzte das Wohn-
Abb. 2. Geburtshaus Josef Werndls in Steyr.