Aufsatz 
Josef Werndl, der Mann und sein Werk / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Viktor Schützeniiofer

WerndlsGepäck, als er die aufschlußreiche Stätte verläßt, ein wesentlich um­fangreicheresReisegut, als das seine Bedürfnislosigkeit kennzeichnende sonstige persönliche, das auch bei großen Reisen fast nur aus der unbedingt erforderlichen Xachtwäsche und den nötigen Reinigungsmitteln bestand, die er in einer Akten­tasche zu verstauen pflegte.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr geht er an die Erweiterung seines Unter­nehmens und an die Ausgestaltung seines Betriebes im Sinne der in Amerika ge­machten Erfahrungen, um damit für jene Leistungen vorbereitet zu sein, die dessen ist er sicher bald von dem von ihm geschaffenen Unternehmen verlangt werden müssen.

Das Jahr 18G4, in dem Österreich gemeinsam mit Preußen Dänemark bekriegt, zeigt den Kriegsteilnehmern die große Überlegenheit des preußischen Hinterlade- Zündnadelgewehrs gegenüber dem in der österreichischen Armee verwendeten Vorderladegewehr, System Lorenz.

Hinterlader waren bei der österreichischen Armee schon gegen Ende des 18. Jahrhunderts versuchsweise eingeführt. Wie Mannlicher berichtet, handelte es sich um das System Orespi, bei dem das seit Jahrhunderten bei der Konstruktion von Hinterladern bestandene Unvermögen der Schaffung eines gasdichten Abschlus­ses wohl halbwegs behoben war, wogegen werkstattechnische Schwierigkeiten und preisliche Hindernisse für eine Erzeugung im großen nicht behebbar blieben. Aus gleichen Gründen konnten sich auch Hinterlade-Windbüchsen, die knapp danach für Scharfschützen, ebenfalls versuchsweise, eingeführt wurden, nicht durch­setzen. Den Hinterladern wurde geringe Schußgenauigkeit und Verleitung der Mann­schaft zu Munitionsverschwendung vorgeworfen, ein Vorwurf, dem selbst die ein­dringlichsten Warner aus dem Kreis der österreichischen Teilnehmer am dänischen Feldzug 1864 nicht wirksam entgegen zu arbeiten imstande waren. Wenn es aber auch richtig ist, daß durch die Verzögerung der Erprobung angebotener Hinter­ladegewehre, Österreich 1866 in den Feldzug gegen Preußen mit einer Handfeuer­waffe ziehen mußte, die derjenigen des damaligen Gegners unterlegen war, so kann von einer Schuld der hierfür verantwortlichen Stellen nicht gesprochen werden, vielmehr nur von einer, auch von der ganzen Welt außer Preußen, das allein seit 1841 mit Hinterladegewehren bewaffnet war geteilten Unterschätzung dieser Gewehrbauart.

Erst die Erfahrungen des Jahres 1866 zeigten, daß eine schneller schießende, in jeder Lage brauchbare Waffe, selbst einer präziser, aber langsamer feuernden gegen­über taktisch überlegen bleibt und veranlaßten mit Österreich die Heeresver­waltungen aller Staaten die rascheste Einführung von Hinterladegewehren in die Wege zu leiten.

In Österreich ging man vorerst an den Umbau des bis dahin verwendeten Vorderladegewehres in den Hinterlader, System Wänzl, der bei nicht weniger als 80.000 Stück Gewehren im WERNDLschen Unternehmen durchgeführt wurde. Die gleichzeitig gemachten Versuche mit dem amerikanischen Hinterladegewehr, System Remington, das zur erweiterten Erprobung von dem Wiener Gewehrmacher Paget unter Heranziehung des WERNDLschen Unternehmens für Gewehrteileliefe­rungen in 2000 Stücken hergestellt wurde, hatten nun derart günstige Ergebnisse,