Josef Werndl, der Mann und sein Werk.
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daß dieses Gewehr im November 1866 bereits von der hierzu berufenen, erst nach dem Feldzug des gleichen Jahres eingesetzten Hinterladerkommission zur Annahme empfohlen wird.
Trotzdem setzt Werndl es in letzter Stunde noch durch, daß das von ihm gemeinsam mit seinem Werkmeister und späteren Direktor Holub in mehrjähriger, zielbewußter Arbeit bereits 1865 geschaffene Hinterladegewehr mit andern zugleich bekanntwerdenden derartigen Gewehrsystemen einer eingehenden Erprobung unterzogen wird.
Die Zweckmäßigkeit, Dauerhaftigkeit und leichte Handhabung des Verschlusses, die einwandfreie Ausführung der gelieferten Probegewehre, deren, das Remington- gewehr übertreffende Feuerschnelligkeit und nicht zuletzt die vergütungsfreie Überlassung des Ausführungsrechts an das Militärärar durch den Privileginhaber Josef Werndl, veranlassen den damaligen Kriegsminister Freiherrn von John, Kaiser Franz Josef I. den Antrag zur definitiven Verwendung des Werndl- Gewehrmodells für alle neu zu erzeugenden Handfeuerwaffen der k. k. Armee zu unterbreiten, welcher Antrag am 28. Juli 1867 die kaiserliche Sanktion erhält. Die Aufgabe der Hinterladerkommission wird als erfüllt erklärt und diese Kommission aufgelöst.
Damit ist für Werndl alles gewonnen. Binnen kürzester Frist erhält er von der österreichischen Heeresverwaltung den Auftrag auf Lieferung- von vorerst 100.000 und dann von weiteren 150.000 Gewehren seines Systems.
Der Gesamtauftrag wird ihm gegeben, da sein Unternehmen in Österreich das einzige ist, dessen Einrichtungen und Organisation die einwandfreie und zeitgerechte Durchführung erwarten lassen kann. In klarer Voraussicht kommender Entwicklung und in richtiger Erkenntnis der dafür zu treffenden Vorkehrungen hat Werndl unmittelbar nach der Übernahme des väterlichen Werkes — also schon 1855 — mit der maschinellen Ausrüstung desselben begonnen, diese zielbewußt unter ständiger Vergrößerung der Anlagen fortgesetzt, sich mit der Lösung des seinen Betrieb berührenden Problems der Zeit — dem Hinterladegewehr — frühzeitig befaßt und so die Voraussetzung geschaffen zur Verwirklichung der sich gesteckten Ziele ,,Der Heimat Arbeit und neues Ansehen zu geben und seinen Betrieb zum Großunternehmen zu machen“.
Die bei den österreichischen Waffenerzeugern zu jener Zeit herrschenden Betriebsverhältnisse gehen am klarsten aus einer Stelle der 1870 vom damaligen Artilleriestabshauptmann Alfred Kropatschek herausgegebenen Veröffentlichung über das Werndlgewehr hervor, die wörtlich wiedergegeben wird:
,,Die Erzeugung einer großen Zahl von Waffen durch Handarbeit würde den deutlichen Beweis eines gänzlichen Verkennens der Fortschritte im Maschinenwesen ergeben und müßte Nachteile bezüglich der Güte, der Schnelligkeit und Billigkeit der Erzeugung zur unmittelbaren Folge haben.
Herr Werndl, welchem die Anfertigung von 250.000 Infanterie- und Jägergewehren nach dem von ihm erfundenen Verschlußsystem übertragen wurde, hat daher im Sinne des von der Regierung aufgestellten Kontrakts, sowie in richtiger Würdigung und Erkenntnis der maßgebenden Verhältnisse die maschinmäßige Erzeugung aller Gewehrbestandteile bis in das kleinste Detail als unbedingt notwendig erachtet und nur die Zusammensetzung der Teile durch Handarbeit supponiert.