Josef Werndl, der Mann und sein Werk.
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eine, keine Preisminderung beinhaltende Konzession machen zu können, die er wieder um so leichter machen kann, als die sich ständig bessernden politischen Verhältnisse ein Nachgeben in diesem Punkt unbedenklich erscheinen lassen. Die Kosten der zur Ermöglichung neuer Großlieferungen erforderlichen Investitionen deckt er durch ausbedungene Vorauszahlungen, zu deren Sicherstellung er — der Erfüllung übernommener Verpflichtungen gewiß — seine ganze bewegliche und unbewegliche Habe dem Auftraggeber als Pfand anbietet. Und gerade diese Bedingungen, die bei ihrer Annahme den Wert des Pfandes noch erhöhen, werden von dem zuständigen Referenten auch verständnisvoll ,,als für die Vergebung an Werndl sprechend“ hervorgehoben. Trotzdem sind seine Preise zumeist die niedrigsten. Den Verdienst, den er braucht, muß ja der Umfang der Lieferung bringen. Und er will auch nicht nur verdienen, er bleibt auch stets besorgt für das Wohl jener, die ihm helfen, seine weit gesteckten Ziele zu erreichen.
Diese Ziele gehen aber nun schon weit über Österreich hinaus.
Der erste bereits gemachte Versuch, vom Ausland Aufträge zu erhalten, wurde durch die schon früher erwähnte rasche Beendigung des amerikanischen Bürgerkriegs zunichte, trug ihm aber — wie gleichfalls schon festgestellt wurde — weit mehr ein, nämlich die Eignung seines Unternehmens für Großlieferungen, wie sie zu dieser Zeit keine andere Hand-Feuerwaffenfabrik Europas besaß.
Und diese maschinelle Rüstung, der sein Organisationstalent die zweckmäßige Verwendung zu geben wußte, konnte er durch einen Arbeiterstab ergänzen, dem die für sein Gewerbe erforderliche Genauigkeit seit Jahrhunderten, als vom Vater auf den Sohn vererbt, zur Selbstverständlichkeit geworden war.
So ist Werndl — noch 1867 — imstande, neben der großen Bestellung des österreichischen Militärärars von der französischen Kriegsverwaltung einen namhaften Auftrag auf Gewehrteilelieferungen für das in Frankreich unter dem Eindruck der Schlacht von Königgrätz zur Annahme gelangte Chassepotgewehr — einem Hinterlader mit Kolben Verschluß — zu erhalten und sich von der bayrischen, serbischen, schweizerischen und griechischen Verwaltung Bestellungen auf Umgestaltungsteile für ihre Vorderladegewehre in das österreichische Hinterladegewehr, System Wänzl, zu sichern.
Das WERNDLsche Unternehmen hat damit Waffen österreichischer Erfindung den Weg ins Ausland gebahnt.
Der Ausbau der Fabrik geht weiter. — Das Lhiternehmen, das zur Zeit des Ablebens des Vaters Josef Werndls nur aus dem Lettener Werk sowie dem in zwei
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Abb. 5. „Objekte“ der Werndlschen Waffenfabrik.
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Geschichte der Technik, 5. Heft.
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