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Viktor Schützenhofer
Häusern untergebrachten Steyrer Betrieb bestand und 450 Arbeiter beschäftigte, ist nun auf neun große Objekte in Steyr und Letten angewachsen (Abb. 5), beschäftigt schon 4000 Arbeiter und kann bereits 5000 Gewehre wöchentlich erzeugen.
Die erforderlichen Investitionen erreichen aber schließlich ein Ausmaß, dem die eigenen Mittel allein nicht mehr Stand halten können. So wird das Unternehmen, nachdem es 1867, nach dem Hinscheiden der Mutter Werndls, eine offene Handelsgesellschaft unter der Firma F. J. Werndl & Co. geworden war — der als Gesellschafter die Brüder Josef, Ludwig und Franz Werndl angehörten — im Jahre 1869 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Die Aktiengesellschaft erhält den Titel „Österreichische Waffenfabriks Gesellschaft“ und das Recht, Aktien im Betrag von 6,000.000 fl. auszugeben, von denen jedoch nur 40% tatsächlich eingezahlt werden. Die Leitung der Gesellschaft übernimmt Josef Werndl als Generaldirektor.
Dem Wunsche Ungarns, eine Waffenfabrik im eigenen Land zu besitzen, wird seitens der Österreichischen Waffenfabriks Gesellschaft durch Errichtung einer großen Zweigfabrik in Budapest entsprochen,
Im Jahre 1873 gelingt es Werndl, die Aufmerksamkeit der königlich preußischen Kriegsverwaltung auf die Leistungsfähigkeit des von ihm geleiteten Unternehmens zu lenken und durch Probelieferungen den Beweis der Güte der Erzeugnisse desselben zu erbringen. Und damit setzt er es durch, daß der Gegner von 1866, dessen Handfeuerwaffen zu dieser Zeit den österreichischen so sehr überlegen waren, bei der Österreichischen Waffenfabriks Gesellschaft nicht nur Teile des im deutschen Heer zur Einführung gebrachten Mausergewehrs — eines Kolbenverschluß-Einladers —, sondern auch ganze Gewehre in einem, die bisher erhaltenen Einzelaufträge weit übersteigenden Ausmaß ihm überträgt. Binnen 2 1 / 2 Jahren liefert die Österreichische Waffenfabriks Gesellschaft mehr als eine halbe Million Handfeuerwaffen an Preußen und befriedigt daneben den — insbesondere durch die Einführung eines geänderten Modells des Wern dl- Gewehrs, dem Muster 1873 — bestehenden großen Bedarf der Militärverwaltung des eigenen Landes in der klaglosesten Weise.
Die Arbeiterzahl des LTiternehmens ist inzwischen auf 5500, die Wochenleistung an Gewehren auf 8000 gestiegen. — Der glänzende Ruf des Unternehmens dringt immer weiter.
Neben österreichischen Aufträgen aüf die nun schon versuchsweise bei der Gendarmerie zur Einführung kommenden Repetiergewehre, System Fruwirth und dann Kropatschek, wird die Österreichische Waffenfabrik auch wieder Lieferantin der französischen Kriegsverwaltung für die Umwandlung der bisnun von derselben verwendeten Chassepotgewehre in das zur Einführung beschlossene System Gras und dann derjenigen Griechenlands und Rumäniens. Dessen Heeresverwaltung widerruft sogar, als sie die Unzuverlässigkeit der Erstersteherin erkennt, den dieser bereits erteilten Auftrag auf Lieferung von 130.000 Gewehren System Henry Martini und überträgt diesen — auf Grund ausgezeichneter Probelieferungen — an das österreichische Unternehmen. Die Art, wie dieses den Auftrag durchführt, ganz besonders aber auch die einwandfreie Austauschbarkeit aller gelieferten Einzelteile gleicher Bestimmung, veranlassen den Besteller zu Ergänzungsaufträgen.