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Viktor Sciiützeniiofer
nicht überschritten werden. Aber bereits 1889 reicht die Arbeiterzahl nahe an 10.000 heran, schnellt die Wochenleistung an Gewehren auf 13.000 hinauf.
Und inmitten dieses Strebens nach Mehrleistung, das nur ein Vorwärts, nie aber Stillstand oder gar Rückschritt kennt, ereilt Josef Werndl nach kaum viertägigem Krankenlager am 29. April 1889 der Tod, und am 1. Mai wird das, was sterblich an ihm ist, unter großem Gepränge und im Beisein von Tausenden, die ihn nicht nur aufrichtig betrauern, sondern auch viel mit ihm verloren haben, der heimatlichen Erde wiedergegeben.
Bevor über die Weiterentwicklung des von Werndl geschaffenen Unternehmens gesprochen wird, soll kurz das Wesen der Handfeuerwaffen erläutert werden, deren Entwicklung die Voraussetzung für den Aufstieg Werndls war.
Das seit 1854 in Österreich verwendete Vorderladegewehr, System Lorenz, dessen Besonderheit die Kompressionsführung des Geschosses war, hatte ein Perkussionsschloß und Kapselzündung. Das Kaliber des Laufes, in dem vier rechtwinkeligen Querschnitt aufweisende Züge angeordnet waren, betrug 13,9 mm. Die Felder der Züge verflachten sich gegen das Patronenlager zu in einem etwas verbreiteten Raum. Die Patrone bestand aus einer Papierhülse mit der Pulverladung und dem Geschoß, das an seinem Führungsteil mit zwei tiefen Kanellierungen versehen war. Die Kompressionsführung des Geschosses wurde sowohl durch das Ansetzen mit dem Ladestock, als auch durch die Wirkung der Pulverladung beim Schuß, die ein Stauchen des Geschosses bewirkten, herbeigeführt.
Der LoRENZsche Vorderlader hatte große Schußpräzision, ermöglichte aber, wie alle Vorderlader, nur eine geringe Feuerschnelligkeit und erforderte ein Laden des Gewehres in senkrechter Lage durch den stehenden Schützen. Diese Mängel konnten nur durch die Hinterladung behoben werden. Auf den Gedanken der Möglichkeit einer solchen war man schon Mitte des 16. Jahrhunderts gekommen, als die bis dahin verwendeten bronzenen, gebohrten Läufe verlassen, und auf eiserne, geschmiedete übergegangen wurde. Diese stellte man durch Rollen oder durch Biegen über einen Dorn her und erhielt damit zwei offene Enden, von denen das bei Vorderladung zu schließende hintere Ende, vorerst mit einem im glühenden Zustand eingetriebenen Keil und später durch die sogenannte Schwanzschraube verschlossen wurde. Alle Versuche für die einfachere Hinterladung geeignete Gewehre herzustellen, scheiterten aber immer und immer wieder an dem Unvermögen der Herbeiführung eines gasdichten Abschlusses. Erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die Arbeitsmethoden der Waffenerzeuger vervollkommnet wurden, gelang es, eine immerhin verwendbare Konstruktion zu schaffen.
Eine derartige war das 1778 bis 1793 versuchsweise an einzelne Truppengattungen ausgegebene Hinterladegewehr, System Crespi, bei dem der Lauf hinten schief abgeschnitten und der abgeschnittene Teil am Hinterende des Laufes dann wieder aufklappbar befestigt wurde. Die Fixierung erfolgte durch einen drehbaren Querriegel mit Gegenwaage.
Der erste, tatsächlich zur Einführung gekommene Hinterlader war das 1838 von Dreyse erfundene sogenannte preußische Zündnadelgewehr (Abb. 6). Seine Ausgabe an das preußische Heer erfolgte 1848. Daß gerade dieses Gewehr den Anstoß