Josef Werndl, der Mann und sein Werk.
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Ausnehmung der Stoßplatte, um den freien Durchgang des Hammerschnabels des Perkussionsschlosses zu gestatten. Zur Verwendung gelangte eine Metallpatrone mit zentraler Zündung. Beim nächsten Modell (1873 77) wurde, den gemachten Erfahrungen entsprechend, das Verschlußstück verlängert und für seine Bewegung eine fixe Achse angeordnet; auch wurden an der Sperre des Verschlusses zweckmäßige Änderungen vorgenommen.
Der durch die immer dringlicher gestellte Forderung nach erhöhter Feuerschnelligkeit notwendig gewordene Übergang vom Einladegewehr zum Mehrladeoder Repetiergewehr wurde in Österreich anfangs der achtziger Jahre durch versuchsweise Verwendung verschiedener derartiger Gewehrbauarten, unter denen die österreichischen Systeme Fruwirth und Kropatschek, die Drehkolbenverschluß und Vorderschaftsmagazin hatten, eingeleitet. Das Magazin bestand bei beiden Gewehren aus einem unter dem Lauf angeordneten Rohr, aus dem die Patronen mit einem löffelartigen Zubringer in den Laderaum gebracht wurden.
Die schließlich 1885 unter den vielen erprobten Gewehrbauarten als die zweckmäßigste befundene,war die Ferdinand Mannlichers (Abb. 9), der die schon 1879 patentierte Idee des Amerikaners Lee „Einladegewehre durch Anhängen eines Magazins an den durchbrochenen Boden des Verschlußgehäuses in Repetiergewehre umzugestalten“ in überaus geistreicher Weise weiter bildete. Als Mängel des Leegewehrs wurden die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Lostrennung des Magazins sowie dessen verhältnismäßig großes Gewicht empfunden, das die Ausrüstung des Soldaten mit zahlreichen Magazinen erschwert.
An Stelle des anhängbaren Magazins ordnet Mannlicher ein im Mittelschaft fest angebrachtes Magazingehäuse an, in dem die Repetiervorrichtung, bestehend aus dem Zubringer und aus der Zubringerfeder, gelagert ist. Je fünf Patronen werden durch eine nur 19 Gramm — gegenüber 90 Gramm beim Leemagazin — wiegende Stahlblechspange zusammengehalten, die aus einer Rückwand und zwei nach innen federnden Seiten wänden gebildet wird. Die Seiten wände sind oben und unten durch nach innen gebogene Ränder so weit geschlossen, daß ein Herausfallen der Patronen unmöglich ist. Diese die Ausrüstung des Soldaten mit zahlreichen ladebereite Patronenpaketen ermöglichende Magazinkonstruktion lenkte die Repetierfrage in völlig neue Bahnen und machte das den Namen Mannlichers tragende Repetiergewehr weltbekannt. Der angewendete Verschluß ist ein GeradzugkolbenVerschluß, bestehend aus dem Verschlußgehäuse samt Abzug und aus dem Verschlußkolben. Die Verriegelung wird unmittelbar durch den Kopf des Verschlußstücks bewerkstelligt. Zur Sicherung des geladenen Gewehrs ist eine Sperre für Schloß und Verschluß vorgesehen.
Neben diesen mechanischen Verbesserungen vollzog sich, auch gefördert durch die Einführung des kurz vorher erfundenen rauchlosen Pulvers, ein bedeutsamer ballistischer Fortschritt. Er ist gekennzeichnet durch die Verringerung des Lauf-
Abb. 9. Mannlichergewehr.
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