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Viktor Schltzexhofer
kalibers, das in Österreich allmählich von rund 14 mm früher auf 8 mm und in anderen Ländern bis auf 6,5 mm herunterging, sowie durch eine Verringerung des Geschoßgewichts unter gleichzeitiger Erhöhung der Geschoßquerschnittbelastung und Steigerung der Anfangsgeschwindigkeit des Geschosses. Eine Grenze dieser Werte nach oben ist durch den Gewehrrückstoß gegeben, der dem Gewicht des Gewehrs umgekehrt proportional ist.
In all diesen Belangen vermochte Mannlicher und die ausführende Waffenfabrik „Steyr“ erhebliche Fortschritte zu erzielen und auch das ohnehin verhältnismäßig geringe Gewicht ihres Repetiergewehrs von 4,45 kg auf 3,65 kg herabzudrücken.
In den dem Ableben Werndls unmittelbar folgenden Jahren war die Waffenfabrik — als Ergebnis seiner letzten Arbeiten — nicht nur mit Aufträgen auf Repetiergewehre aus dem eigenen Land, sondern aus der ganzen Welt — darunter aus dem Deutschen Reich, aus Frankreich, Griechenland, Rumänien, Chile und Argentinien — reichlichst beschäftigt.
In den Jahren 1895 bis 1910 wurde das Waffenerzeugungsprogramm durch Faustfeuerwaffen und Maschinengewehre ergänzt und neue Fabrikationszweige, wie die Erzeugung von Fahrrädern, Setzmaschinen und Gießereiprodukten, aufgenommen.
Die Jahre 1911 bis 1914 standen vornehmlich im Zeichen überseeischer Waffenlieferungen, die die geldlichen Mittel des Unternehmens erheblich stärkten und es in die Lage versetzten, an einen Neubau der Fabrikanlagen zu schreiten. Diese bestanden damals noch aus 17 allmählich gewordenen und vielfach weit auseinanderliegenden „Objekten“, weshalb eine Zusammenfassung des Betriebes und eine direkte Verbindung der Werksanlagen mit der mittlerweile entstandenen Eisenbahnlinie geboten erschien. Die verbaute Grundfläche der neuen Fabrikanlage sollte 115.000 qm umfassen.
In dem nun einsetzenden Weltkrieg zeigte es sich, welch großen Dienst die Schöpfung Werndls Österreich und den mit ihm verbündeten Mächten zu leisten imstande war. Der ziemlich weit vorgeschrittene Neubau wurde nicht nur mit größter Beschleunigung fortgesetzt, sondern es wurden auch die zur Stillegung bestimmten alten Betriebe weiter beschäftigt und damit die Leistungsfähigkeit des nun ganz in den Waffenversorgungsdienst der Zentralmächte gestellten Unternehmens ungeheuer gesteigert. Die Arbeiterzahl mußte auf 15.000 erhöht werden, die wöchentliche Erzeugung an Gewehren stieg auf 20.000, die der Faustfeuerwaffen und Maschinengewehre zusammengenommen auf 1800 an.
Schon im Jahre 1916, also noch während des Krieges, wurden — ganz im Geist Werndls — für die nach Beendigung des Völkerringens unter allen L'mständen notwendige Umstellung des Unternehmens auch auf Friedensbedarf für die Aufnahme des Automobilbaues und eines mit allen modernen Mitteln ausgestatteten Gießereibetriebes Vorarbeiten durchgeführt. Die ersten Versuchsautomobile wurden auch schon vor dem Ende des Weltkriegs herausgebracht.
Mit dem Friedensvertrag kam das Verbot der Herstellung von Kriegswaffen, mit dem sich die Sieger eines ihrer schärfsten Konkurrenten auf dem Gebiet der Handfeuerwaffenerzeugung entledigten. Die Raschheit, mit der die dadurch erforder-