Julius Lott, der Erbauer der Arlbergbalm.
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technischen Fähigkeiten bei den Bauten der Sillstauwehre, des Mühlthalertunnels, des Silltunnels und bei den Entwässerungsarbeiten zur Befestigung des Geländes, wofür ihm die belobende Anerkennung des Ministeriums ausgesprochen wurde. Etzel starb schon vor Vollendung des Baues, am 2. Mai 1865. Nachfolger als Bauleiter der Brennerbahn wurde sein bisheriger Mitarbeiter, der gleich geniale Deutschschweizer Achilles Thommen. Nach Fertigstellung der Bahn, die am 24. August 1867 dem Verkehr übergeben wurde, erhielt Thommen eine Berufung nach Ungarn. Die ungarische Regierung begann damals nach dem Ausgleich mit Österreich einen großzügigen Ausbau des Eisenbahnnetzes und übertrug Thommen die Leitung der königlich ungarischen Eisenbahndirektion. Thommen nahm sich einige der jungen Ingenieure, deren Fähigkeiten er beim Bau der Brennerbahn kennen gelernt hatte, nach Ungarn mit, so auch Julius Lott.
Am 18. Oktober 1867 trat Lott in den ungarischen Staatsdienst, wo er bis März 1871 blieb. Zuerst Mar er als Oberingenieur Leiter der Bahnerhaltungssektion in Fiume, dann Leiter der Trassierungsarbeiten der Linie Großwardein —Klausenburg; im Oktober 1868 übernahm er in der Budapester Zentrale die Leitung des Unterbaudienstes, im März 1870 wurde der erst 35jährige Mann erster Vertreter des Baudirektors. Seine amtliche Tätigkeit Mährend dieser Jahre verschaffte ihm bald den Ruf eines besonders tüchtigen und gewandten Ingenieurs, dessen vielseitige Fähigkeiten, persönliche Bescheidenheit und LiebensM Ürdigkeit ihm eine glänzende Laufbahn in Aussicht stellten. Sehr bald sollte Lott an eine überaus verantwortungsreiche Stelle berufen verden. Im Jahre 1870 Mar es zwischen der bulgarischen Ost- bahn, einer Privatgesellschaft, und einer von ihr beschäftigten großen englischen Bauunternehmung zu einer ernsten Auseinandersetzung gekommen, in deren Verlauf das bestehende Vertragsverhältnis gelöst uurde. Die Ostbahn mußte daher mehrere hundert Kilometer des Bahnnetzes in unvollendetem Zustand übernehmen und unter eigener Bauaufsicht fertigstellen. Sie schuf sich deshalb eine eigene Baudirektion, an deren Spitze sie Lott berief.
Es bestanden sefovierigste Bauverhältnisse und eine trostlose Mirtschaftliche Lage der Gesellschaft, die weitgehende Staatshilfe erforderlich machte, als Lott im März 1871 die gesamte technische und kaufmännische Leitung des ueiteren Bahnbaues der Ostbahn übernahm. Daß er der Lage Herr Murde, daß es ihm gelang, die begonnenen Bauten, vor allem die Strecken Klausenburg—Kocsard und Schäß- burg—Kronstadt, bis zum Jahre 1873 fertigzustellen, beM’ies nicht nur sein großes technisches Können und organisatorisches Talent, sondern auch sein taktvolles und sicheres Auftreten in sclnvieriger Lage. Mit der Vollendung des geplanten Bahnnetzes
Abb. 1. Julius Lott. 1836—1883.