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Franz Sedlacek
als Puder und schildert die Methode, nach der es die Putzkrämerinnen an dem Bleideckel eines Essig und Perlgraupen enthaltenden Gefäßes, das an einem warmen Ort aufgestellt wird, gewinnen . 1
Aiis einer Angabe Plinius' scheint übrigens her vor zugehen, daß die Bleiweißschminke, zumindest des römischen Altertums, nicht rein weiß, sondern wohl rötlich- weiß war. Man verstand diese Tönung durch Erhitzen von Bleiweiß, also durch teilweise Überführung in Oxyd, zu erreichen . 2
Das Blei weiß wurde von den Griechen „psimmythion“, von den Römern „cerussa“ genannt, die arabischen Gelehrten bezeichneten es mit dem persischen Lehnwort „isfidatsch“, d. h. weißes Wasser . 3 Im Mittelalter scheint man auch mit dem Namen „Lithargyrum“, der später für Glätte gebraucht wurde, Bleiweiß gemeint zu haben, auch die Bezeichnung „flos plumbi“, Bleiblume, kommt vor.
Über die Zubereitung der Farbe Bleiweiß haben uns Theophrast sowie Vitruvius, Dioskorides und Plinius ziemlich übereinstimmende Angaben hinterlassen. Nach ihnen goß man starken Essig in Töpfe und bedeckte diese mit Bleiplatten oder hängte die Platten über dem Essig in den Gefäßen auf, die sodann verschlossen wurden. Die Säuredämpfe griffen das Metall an, Feuchtigkeit und Kohlensäure bewirkten die Bildung des basischen Karbonats. Dioskorides bemerkt, daß im Winter künstliche Erwärmung nötig sei. Nach längerem Stehen waren die Bleche in Bleiweiß verwandelt. War dies nur unvollständig geschehen, dann kratzte man den vorhandenen Belag ab und wiederholte den Prozeß. Das Bleiweiß wurde zerrieben, gesiebt und mit Wasser gewaschen , 4 hierauf in Kügelchen geformt und getrocknet. Das beste Bleiweiß soll in Rhodos hergestellt worden sein . 5
Da der gleiche Prozeß, mit Kupfer statt mit Blei durchgeführt, ebenfalls eine Farbe ergibt, den Grünspan, findet man diese beiden Farben bei alten Schriftstellern häufig zusammen beschrieben.
Die Umwandlung von Bleiweiß in Mennige, „gebranntes Bleiweiß“, durch Erhitzen soll nach Plinius durch einen Zufall gefunden worden sein, nämlich anläßlich eines Brandes im piräischen Hafen, wo einige Gefäße mit Bleiweiß lagerten . 6
In den spärlich erhaltenen Dokumenten der ägyptisch-hellenistischen Chemiker, sowie in den Schriften der ihren Gedankengängen folgenden arabischen Alchemisten wird das Bleiweiß immer wieder genannt. Galt doch diesen Gelehrten das Metall Blei, das sich ebensowohl in schwarzes Schwefelblei wie in leuchtendes Bleiweiß, in gelbe Glätte und in rote Mennige verwandeln ließ, als eine Art Urstoff, eine materia prima und das Bleiweiß selbst als ein Mittel zur ,, Leukosis“, zur „Weißung“
1 Diderot-d’Alembert, Encyclopedic ou Dictionnaire raisonne..., 2., S. 260, Livourne 1771.
2 Plinius, Naturgeschichte, 34. Buch, 54. Kap.
3 v. Lippmann, Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, S. 386, Berlin 1919.
4 wodurch das essigsaure Blei entfernt wurde.
5 Theophrast, Über die Steine, 56.— Vitruv, Über Architektur, 7. Buch, 12. Kap. — v. Lippmann, Die ehern. Kenntnisse des Dioskorides. Abhandlungen u. Vortr., I, S. 56, Leipzig 1906. — Plinius, Naturgeschichte, 34. Buch, 54. Kap.— Blümner, Technologie der Antike, 4., S. 471—473, Leipzig 1886.
6 Plinius, Naturgeschichte, 34. Buch, 54. Kap.