Das Werden des Kärntner Bleiweiß Verfahrens.
83
der Metalle, d.h. zu ihrer Verwandlung in Silber. Die arabischen Alchemisten beschreiben im wesentlichen das gleiche Verfahren wie die römischen Autoren, durch welches das Bleiweiß mittels Essig „aus dem Blei herausgezogen“ werde. 1 In ihren Schriften befindet sich auch bereits die Angabe, daß die Töpfe in Dünger gesetzt werden. 2 Damit war nicht nur für gleichmäßige Erwärmung, sondern auch für eine Kohlensäurequelle gesorgt, die die Bleiweißbildung beschleunigen mußte.
Diese Verwendung des Mistbades ist wohl die letzte Verbesserung der Bleiweißbereitung auf viele Jahrhunderte hinaus gebheben. Weder die mittelalterlichen Sammelwerke, wie das des sogenannten Heraklius, des Mönches Theophilus und des französischen Kardinals Vital du Four, die mehr oder weniger genau die Zubereitung der Farbe beschreiben, noch die späteren Rezeptbücher und sonstigen technischen Werke bis zur großen französischen Enzyklopädie lassen irgendeine nennenswerte V er besserung des Verf ahrens erkennen.
Etwa um 1700 begann man in Holland,
Bleiweiß, das bis dahin nur im kleinen erzeugt worden war, nach dem gleichen Verfahren fabrikmäßig herzustellen. Es entstanden Fabriken in Amsterdam, Rotterdam, später auch an anderen Orten Hollands, dann auch in Sheffield in England. Die anderen Länder wurden hauptsächlich von Holland aus mit der unentbehrlichen weißen Farbe beliefert. In Frankreich war in Grenoble eine Fabrik entstanden, die jedoch wenig Erfolg hatte, und noch in den Sechzigerjahren des 18. Jahrhunderts beklagte man in diesem Lande, daß das wichtige Bleiweiß eingeführt werden müsse. 3
Man hatte zwar das „holländische Verfahren“, wie es nun hieß, mit mancherlei Geheimnissen umgeben, es bestand jedoch in der alten Methode, Bleiblech in irdenen Töpfen Essigdämpfen auszusetzen und unterschied sich lediglich durch die Ausführung im Großbetrieb von der althergebrachten Art, Blei weiß zu bereiten.
Nach einem zeitgenössischen Bericht arbeiteten die holländischen Fabriken etwa f olgenderma ßen . 4
In flachen Blechformen, die genau waagrecht aufgestellt waren, goß man rechteckige Bleibleche von etwa 12 X 65 cm Größe und nicht viel mehr als 1 mm Dicke. Diese Bleche wurden spiralig eingerollt, in irdene, innen glasierte Töpfe gesetzt,
1 v. Lippmaxn, Entstehung und Ausbreitung der Alchemie, S. 34, 100, 345, 386, 414, Berlin 1919.
2 Ebenda 389.
3 Gabriel Jars, Metallurgische Reisen.... vom Jahre 1757 bis 1769. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Carl Abraham Gerhard, 4. Bd., S. 967—983, Berlin 1785.
4 Ebenda.
Abb. 1. „Mistlooge" zur Bleiweißbereitung nach dem Holländer-Verfahren.
Aus : „Muspratts Chemie “, i . Bd ., S . i6g2 .
»«tlfftlli«!
» ‘Kl
Herr
JOT
rupATOIlil
;■ ■■ *. “
i&lil
211111
XI V ALU
6 *