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Franz Sedlacek
deren Wandung etwa in halber Höhe Einziehungen hatte, so daß die Bleirolle auf ihnen aufsaß und somit den Boden nicht berührte. Bei Töpfen, die diese Formgebung nicht schon hatten, stützte man das Bleiblech durch ein quergeklemmtes Holz, ln den unteren Teil des Topfes goß man Bieressig, den die in Holland überall bestehenden Brauereien lieferten. Die so beschickten Töpfe wurden nun mit etwas stärkeren Bleiblechen zugedeckt, in Reihen auf eine Schicht Mist gestellt, mit Brettern belegt, auf welche dann eine neue Mistlage kam, die die nächste Schicht von Töpfen trug, was fünfmal wiederholt wurde. Die ganze „Mistlooge“ wurde durch eine an eine
Mauer angebaute kräftige Holzkonstruktion zusammengehalten. Daß diese holländischen Bleiweißfabriken wirklich große Betriebe waren, geht aus dem erwähnten Bericht hervor, nach welchem ein in dieser Weise gefüllter Schuppen 15.000 Töpfe enthielt.
Nach vier bis fünf Wochen waren die gerollten Bleche ziemlich vollständig in Bleiweiß verwandelt, die Deckplatten jedoch hatten eine harte Bleiweißrinde angesetzt, die auf das sogenannte „Schieferweiß“ verarbeitet wurde. Sorgfältig mit Wasser benetzt, um das Einatmen des giftigen Staubes zu verhüten, wurde die weiße Farbe durch Abschlagen vom nichtkorrodierten Metall getrennt, die Bleireste schmolz man wieder ein.
Die Farbe wurde gewaschen, auf besonderen Mühlen naß gemahlen und schließlich in kegelförmigen, unglasierten Tontöpfen in einem luftigen Schuppen getrocknet. Die so entstandenen kleinen Kuchen kamen, mit Papier umhüllt, in den Handel.
Das \ erdienst, die erste Bleiweißfabrik in den österreichischen Ländern und zugleich wohl auf deutschem Boden überhaupt errichtet zu haben, gebührt Johann Michael Ritter von Herbert in Kärnten.
Die Familie, auch Herwerts und Herverdes geschrieben, stammte aus Westfalen, wohin sie aus England gekommen war. Der Großvater, Johannes Herbert, der um 1048 im Münstersehen geboren, zu Paderborn das philosophische und zu Padua das medizinische Doktorat erworben hatte, 1 2 war nach Kärnten eingewandert, hatte zu Villach das landständische Kreisphysikat erhalten, hier geheiratet und damit den kärntnerischen Stamm des Geschlechts begründet. Er starb als ein Opfer seines ärztlichen Berufes zu Villach an der Pest. Sein Sohn Franz Edmund wurde bald nach der Vollendung seiner philosophischen Studien im Jahre 1715 von Karl VI. in den erbländischen Ritterstand erhoben.
1 Die Originale der Bildnisse der Freiherren von Herbert und von E. IIerbert- Kerciixawe befinden sich auf Schloß Kirchbichl bei Wolfsberg in Kärnten.
2 C. v. M urzbach, Biographisches Lexikon des Kaisertliums Österreich. 8. Tlieil, Wien 1862, S. 349—350. Nach anderer Angabe erwarb Johann Herbert zu Innsbruck das Doktorat der Medizin. Carinthia, 28. Jg., Klagenfurt 1838, S. 4.
Abb. 2. Johann Michael Freiherr von Herbert, 1726-1806.
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