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Franz Sedlacek
Abb. 4
Albin Freiherr von Herbert, 1787-1834.
Nach einer Lithographie von Kriehuber.
Zusatzstoff erwies. Er wurde aus steirischen und Kärntner Gruben bezogen und in eigenen Spatstampfen gepulvert. Mit solchen Zusätzen wurde das Bleiweiß sodann in
besonderen Mühlen zu einer einheitlichen Weißfarbe gemischt. Die Beimischung guten Schwerspats wurde übrigens für die Bleiweißfabrikation von größter Bedeutung, und der spätere Ankauf der Fabrik zu La vis in Südtirol (1854) ist vor allem um der dortigen reichen Spatlager willen geschehen.
Aber nicht nur das Bestreben nach Verbesserung des Verfahrens führte zur Umgestaltung der Fabriken, auch höhere Gewalten machten den Neuaufbau nötig. 1809 wurde das Klagenfurter Werk von den Franzosen in Brand gesteckt und teilweise zerstört, neun Jahre später äscherte ein Brand die in vollem Betrieb stehende Wolfsberger Fabrik ein.
Eine große Schwierigkeit, mit der die beiden Fabriken während der Franzosenkriege zu kämpfen hatten, war auch die beständige Behinderung des Bleibezuges.
In dieser schweren Zeit, am 13. März 1811, starb zu Triest Franz Paul Freiherr von Herbert. Sein am 30.Oktober 1787 zu Klagenfurt geborener Sohn Albin übernahm die Fabriken.
In den Jahren um 1820 wurde das Kärntner Bleiweiß verfahren abermals umgestaltet, ja es wurde eigentlich erst jetzt zum wirklichen Kammerverfahren gemacht, da nun alle die früher verwendeten Gefäße ausgeschaltet wurden und die Kammer selbst das Blei aufnahm.
Ein gemauertes Gebäude mit gewölbter Decke, das im Grundriß 15 X 6m maß und etwa 5 m hoch war, hatte in einer Höhe von 2 m einen starken, waagrechten Holzboden, der es in zwei Geschosse teilte. Im oberen Raum, dem Bleiraum, hingen auf Latten und Holzgerüsten die Bleiplatten, im unteren Raum standen drei große hölzerne Behälter, die den mit gärfähigen Stoffen versetzten, verdünnten Essig aufzunehmen hatten. Um die Dämpfe in den oberen Raum zu lassen, hatte der Holzboden über den Essigbehältern lange rechteckige Öffnungen. Sie waren mit kleinen Holzdächern überdeckt, damit kein Bleiweiß in die Essiggefäße fallen konnte. Unter den Essigbehältern sorgten ein oder mehrere Kupferkessel für die Beheizung, im Bleiraum hingegen wurde durch einen mit
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Abb. 5. Querschnitt durch eine Kärntner Bleiweißkammer nach Gentele.
Nach einem Kupferstich in Dinglers Poly- techn. Journal, 63. Bd., Jg. 1837. Tafel IV.