Aufsatz 
Das Werden des Kärntner Bleiweißverfahrens / von Franz Sedlacek
Entstehung
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Das Werden des Kärntner Bleiweiß Verfahrens.

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Holzkohlen geheizten Kanonenofen, den sogenanntenHerkules, die erforderliche Kohlensäure erzeugt.

An der Längswand der Kammer lief, vom Bleiraum durch eine Bretterwand abgetrennt, ein Gang, von dem aus durch Türen und Fenster das Beschicken und Entleeren der Kammer sowie die Beobachtung des Prozesses möglich war.

In dieser Ausgestaltung, die hauptsächlich ein Verdienst der Werksleiter Ebner, Spitzer und Scherl war, hatte das Kärntner Kammerverfahren einen Stand der Vollkommenheit erreicht, der es befähigte, Jahrzehnte mit bestem Erfolg

Abb. 6. Paul Freiherr von Herbert, 1819-1884.

Nach einem Ölgemälde.

Abb. 7. Edmund Freiherr von Herbert, 1827-1889.

Nach einem Ölgemälde.

betrieben zu werden. Das HERBERTsche Bleiweiß hatte Weltruf erlangt, die zeit­genössischen technologischen Werke nennen es das reinste und vorzüglichste 1 und auch im Ausland galten die Kärntner Fabriken als musterhaft. 2 Sie verdankten diesen Vorsprung vor den Anlagen anderer Länder vor allem dem versuchsfreudigen Unternehmungsgeist ihrer Leiter. In anderen deutschen Ländern hatte sich das von Holland übernommene Verfahren mit allen seinen Nachteilen lange Zeit unverändert erhalten. 1837 schreibt J. G. Gentele in einem Aufsatz über die Bleiweißfabrikation:

Daß man seit der Einführung der holländischen Verkalkungsweise in Nord- und Mitteldeutschland in der Form und Größe der Töpfe noch keine Abänderung gemacht hat, scheint von der Versuchsscheue der Fabrikanten herzurühren, welche meistens auf dem einmal angefangenen Weg fortarbeiten, so lange es in merkantili- scher Hinsicht angeht. 3

1 Stephan v. Kees, Darstellung des Fabriks- und Gewerbewesens im österr. Kaiser­staate, 2. Teil, 2. Bd., S. 986, Wien 1823.

2 Dictionnaire teclinologique ou Nouveau dictionnaire universel des arts et me­tiers. . . ., Paris 1823, S. 289.

3 Dingler, Polytechnisches Journal, 63. Bd., S. 204, Stuttgart 1837.