Aufsatz 
Versuch zur Einführung einer Gasbeleuchtung bei den Salzwerken des Kammergutes / von Carl Schraml
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Versuch zur Einführung der Gasbeleuchtung bei den Salzwerken.

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zur Zersetzung der Destillationsprodukte nicht ausreichte. Sollte auch diese rot-warm werden, mußte die Holzretorte auf Weißglut erhitzt werden, was wiederum den Erfolg der Verkohlung beeinträchtigte. Die starke Beimengung von Kohlenoxyd zum Leucht­gas war auf diesen Übelstand zurückzuführen und die Ursache, warum das entzün­dete Gas mit blauer Elamme brannte. Die Kalkmilch, durch welche das Gas geleitet wurde, konnte eben nur die Kohlensäure, nicht aber auch das Kohlenoxyd absor­bieren. Um diese ungünstigen Verhältnisse zu beheben, schlug Egger die Verwendung gußeiserner Retorten vor, deren Größe sich nach dem Gasbedarf in 24 Stunden zu richten hätte. Die Teerretorte sollte weggenommen und in demselben Ofen für die Zerlegung des Teers eine gußeiserne Röhre abgesondert eingelegt werden, in welcher der Teer sich tropfenweise absetzte.

Der Gasometer reichte bloß zur Füllung von 32 Kubikfuß, etwa 1 m 3 Gas, und konnte deshalb die Tageserzeugung nicht auf nehmen. Beim regelmäßigen Betrieb der Anlage brannten 20 Flammen, ohne daß der Gasometer sich senkte. Das Licht war aber im unteren Teil der Flamme blau, nicht nur wegen des Gehalts an CO, sondern auch wegen der beigemengten Luft, die durch undichte Stellen in die Leitung drang. Ein großer Nachteil war auch der übergroße Querschnitt der 25 m langen Abkühlungsrohrleitung 0 , wozu Egger a\is Ersparungsgründen alte vier­zöllige Soleleitungsröhren verwenden mußte. Diese waren zu Beginn der Beleuch­tungsprobe natürlich mit atmosphärischer Luft gefüllt, die durch das Gas nur all­mählich verdrängt wurde und so in den Gasometer gelangte. Bis das reine Leuchtgas zu den Brennern gelangte, war die Gaserzeugung meist schon zu Ende.

Da Egger aus den Beleuchtungsversuchen die Nachteile der Probeeinrichtung erkannt hatte, glaubte er, sie bei einer Neuanlage unschwer vermeiden zu können. Zu seinen Verbesserungsvorschlägen gehörte außer dem schon erwähnten Umbau der Retorten daher noch die Verengung der Leitungsquerschnitte, um den schäd­lichen Luftraum zu verringern, auch die Teerbehälter und der Kalkbottich brauchten nur halb so groß zu sein. Dafür müßte der Gasometer die Tageserzeugung aufzu­nehmen vermögen.

Im Probebetrieb fand er mit zwei Arbeitern das Auslangen. Einer besorgte die Feuerung, der zweite untersuchte die Luftdichtigkeit der Apparate, nahm allfällige Ausbesserungen vor und rührte zeitweilig die Kalkmilch in dem Bottich mit der Kurbel um. Durch den Einbau einer längeren Retorte hätte an der Holzzerkleinerung erspart werden können.

Am Schlüsse seiner Berichtsausführungen bedauerte Egger, daß er bei den vielen Unvollkommenheiten der Versuchsanlage kein zuverlässiges Ergebnis hatte vor legen können. Es sei überhaupt ein kühnes Lnternehmen gewesen und wenn es auch nicht nach Wunsch gelang, müsse man doch froh sein, daß es nicht noch schlechter ausgefallen war. Eine auf Grund der bisherigen Erfahrungen hergestellte neue Anlage würde gewiß den Erwartungen entsprechen. Egger wies auf mehrere solcher Beleuchtungsanlagen mit Holzgas in Rußland und auf die Tatsache hin, daß selbst in holzarmen Gegenden Gas in Thermoslampen verbrannt wird, bloß um Holzessig für die Färbereien zu gewinnen.Um wieviel mehr könnte hier bei den niedrigen Holzpreisen und bei der großen Menge an Bürdelholz sowie nicht minder bei dem großen Aufwand an Lichtholz diese Einrichtung nützlich sein! Es ist zwar