Ernst Neweklowsky : Die Ladenkarlfahrt auf der Steyr.
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jedes Floß war mit einem einzigen Flößer bemannt. Sie hießen Ladenkarl und die Flößer hießen Ladenführer oder Karlführer.
Das Wort Karl ist die Verkleinerungsform des Wortes Kar, das sich nach Schmeller 1 u. a. in den zusammengesetzten Wörtern Beikar, Brunnkar, Fischkar, Kaskar, Laugkar, Mehlkar, Milchkar, Nudelkärlein, Traidkar findet und worunter man ein Gefäß, Geschirr, versteht. Auch HöEer 2 kennt das Wort nur für ein hohles Gefäß, z. B. Brunnkar, Bachkarl. Wir kennen noch das bei uns allgemein gebräuchliche Wort Wasserkar. Jene zur Verführung des Salzes dienenden Traunzillen, welche mit einer Eindachung versehen waren und Kobel hießen, enthielten vier Abteilungen oder gleich große Käre, 3 zwischen denen sich drei Zwischenräume (Seß = Stall) befinden. 4 In der Flößerei unserer Gegend bezeichnet man endlich mit Kar, das in eine Floßtafel zusammengebundene Holz. Diese Floßtafeln wurden einzeln oder hintereinander zusammengefügt stromab befördert, wobei jeder Fluß seine durch die mannigfaltigsten Umstände bedingte Eigentümlichkeit in der Form und der Art der Flöße hatte. Die Verkleinerungsform des Worts Kar (mit dumpfem a) ist Karl (mit hellem a). Die Flöße auf der Steyr nun, die bloß aus einem kleinen aus Ladenzeug zusammengefügten Kar bestanden, führten, wie wir oben gesehen haben, die Bezeichnung Ladenkarl.
Sowohl das Wort Kar wie noch mehr das Wort Karl finden wir mitunter in der ärgsten Weise entstellt. Eine Beschreibung der vorhin geschilderten Abteilungen der Kobel bezeichnet sie als Chor, 5 ein Aufsatz über die Flößerei an der Traun besagt, daß jedes Floß aus fünf Karree (!) besteht. 6 Aus unserem Karl aber wurde ein Kahnl gemacht.
Ein gewisser Jakob Löw, der in den Dreißigerjahren des 19. Jahrhunderts in Steyr als Zeichenlehrer wirkte, schildert in einer handschriftlichen Beschreibung der Stadt Steyr, 7 daß auf dem Ennsfluß aus den oberen Gegenden der Steyr eine Menge kleine Flöße anlangen (Ladenkangeln), worauf sich vieles Ladenzeug befindet. Das Wort „Ladenkangeln“ ist von anderer Hand durchgestrichen und darüber ist das Wort „Ladenkandeln“ geschrieben. Der Jahresbericht der oberösterreichischen Handels- und Gewerbekammer für das Jahr 1851 spricht von Laden = Kähnen und die Bezeichnung Ladenkahn finden wir in der Folgezeit neben dem Wort Ladenkahnl sehr häufig. Die Flößer hießen Karlführer und dieses Wort wurde zu Kahnlführer oder Kahnführer entstellt. Sogar auf einem im Steyrer Museum befindlichen Innungs-
1 I. A. Schmeller, Bayrisches Wörterbuch (1827) I 1276.
2 M. Höfer, Etym. Wörter!). (1815) II 113.
3 Ob.-Österr. Landesarch., Sal. Oberamtsarcli. V/5, Großkufenhandelsamtliche Manipulationsbeschreihung über den Fasseierzeug und Salztransport von Gmunden (1815) Bl. 30.
4 F. Krackowitzer, Geschichte der Stadt Gmunden (1899) II 271.
5 Ob.-Österr. Landesarch., Sal. Oberamtsarch. V/5, Manipulationsbeschreibung der beim k. k. Salztransport Stadl bestehenden Salzabfuhr auf der Traun von Stadl bis Zizlau (1823) Bl. 5.
6 Tagblatt, Linz, 11. August 1934, Nr. 144, Der Flößer aus der guten alten Zeit.
7 Stadtarchiv Steyr, J. Löw, Topographisch-statistisch-technische Beschreibung von den bei der k. k. Kreis- und Commerzialstadt Steyer am Steyerflusse anliegenden Gewerken, Handsehr. (1832), 1. II.