Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich.
Von
Hofrat Ing. G. Strele, Innsbruck.
Mit 6 Abbildungen.
Das Bestreben des Menschen, Hab und Gut, Leib und Leben vor den anstürmenden Fluten der Wildbäche zu schützen, reicht weit, jedenfalls bis tief ins Mittel- alter zurück und setzte naturgemäß zuerst dort ein, wo einerseits Siedlungen, wertvolle Kulturen und wichtige Verkehrswege bedroht waren, und andrerseits die herrschenden Verhältnisse den Bächen eine große Gefährlichkeit verliehen. Dies trifft namentlich für Tirol zu, wo sich längs der seit den ältesten Zeiten wichtigen, von Norden nach Süden führenden Verkehrswege blühende Ortschaften entwickelt hatten, welche bei dem Mangel an zur Ansiedlung geeignetem Grund und Boden vielfach auf den Schwemmkegeln der Wildbäche allzunahe an diesen angelegt worden waren.
Die zur Sicherung gegen Hochwässer und Murgänge errichteten Schutzbauten blicken hier zum Teil auf ein Alter von vielen Jahrhunderten zurück, und derartige uralte Schutzmauern und Dämme, die ein Wildbachgerinne auf dem Schwemmkegel begrenzen, finden sich — wenn auch durch nachträgliche Erhöhungen und Verstärkungen verändert — an vielen Orten heute noch vor.
Über ihre Entstehung wissen wür nur wenig. Zu den ersten Schutzbauten an Wildwässern zählen jedenfalls jene an der Talfer bei Bozen, die schon lange bestanden, als sie im Jahre 1277 vom Grafen Meinhard II. in seiner Fehde mit dem Bischof Heinrich von Trient zerstört worden. Im Jahre 1340 wurde der Bau der ,,Wassermauern“ an der Talfer dann neuerdings begonnen. 1 Aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts liegen mehrere Nachrichten über ähnliche Bauten vor, so verrechnet z. B. der landesfürstliche Amtmann von Neuhaus bei Terlan im Jahre 1320 Ausgaben für Schutz bauten gegen Murbrüche und im Jahre 1328 das landesfürstliche Urbar-und Probsteiamt in Innsbruck solche für Schutzbauten an der Melach bei Kematen im Inntal. 1 Es ist auch bekannt, daß zur Sicherung des Dorfes Pergine in Südtirol schon um das Jahr 1400 Schutzbauten an der Fersina bestanden, zu deren Erhaltung der dritte Teil der Forststrafgelder verwendet wurde, 2 und daß die heute noch bestehende Schutzmauer zur Sicherung der Stadt Sterzing gegen Ausbrüche des Valler baches schon 1455 errichtet wurde. 3 Als Beispiel für die Herstellung eines Geschiebeablagerungsplatzes sei jene für die Spitallahn an der Westgrenze der Stadt Brixen um 1550 angeführt. 4