Aufsatz 
Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich / von G. Strele
Entstehung
Seite
107
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G. Strele: Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich. 107

Schon frühzeitig schlossen sich die Bachanrainer zum Schutz gegen Wasser­gefahren zu Gemeinschaften im deutschen Landesteil von Tirol Leegen, im italienischen Comprensorien oder Consortien genannt zusammen. So bestanden beispielsweise im Jahre 1427, als der Fürstbischof Alexander von Trient eine autori­sierte Gesellschaft zum Schutz der Grundstücke am rechten Fersinaufer bei Trient gründete, schon drei freie Gesellschaften zum Schutze des linken Ufers, 5 und im ältesten Bozener Ratsprotokoll von 1469 werden Leegen der Grundbesitzer an Talfer, Etsch und Eisack als schon lange bestehend angeführt. 1

Man erkannte aber auch schon frühzeitig, daß Maßnahmen am Unterlauf der Bäche allein nicht zum Ziel führen, daß sie namentlich Geschiebeablagerungen in diesen Bachstrecken nicht zu verhindern und die damit verbundene erhöhte Gefahr von Bachausbrüchen nicht zu beseitigen vermögen. Man schritt deshalb dazu, die Geschiebeführung zu bekämpfen. Die älteste zu diesem Zweck in Südtirol erbaute Talsperre ist die Pont'alto-Sperre bei Trient. Sie dient ausschließlich dem Geschieberückstau, wurde erstmals im Jahre 1537 unter der'Regierung des Fürst­bischofs Bernhard von Cles erbaut, fiel öfters den Fluten der Fersina zum Opfer, wurde aber immer wieder hergestellt und besitzt heute eine Höhe von 38 m. 5 > 6

Aber schon in alter Zeit beschränkte man sich nicht auf die Errichtung von Stausperren in der Schlucht der Wildbäche, sondern man führte auch Bauten in den in Einwühlung begriffenen Bachstrecken aus, um weitere Sohleneintiefungen zu verhindern. So beschloß die aus den Gemeindeausschüssen vonCavalese undVarena gebildete Regola schon im Jahre 1641 nach einem heftigen Ausbruch des Gambis- baches die Erbauung mehrerer hölzerner Grundschwellen, deren Zahl später all­mählich vermehrt wurde. 7 Auf diese Weise entstand innerhalb der am Berghang gelegenen Ortschaft Cavalese im Lauf der Zeit eine systematische Abtreppung der Bachsohle in Verbindung mit seitlichen Uferschutzbauten, die sich vorzüglich be­währt hat.

Hatten diese Bauten die Aufgabe, die dem Bach benachbarten Häuser und Gärten unmittelbar zu schützen, so verfolgte hingegen die in den Jahren 1650 bis 1662 unter der Regierung des Fürstbischofs Anton Krosin ausgeführte Verbauung der Spital- und Weißlahn bei Brixen ausschließlich den Zweck, die Geschiebeerzeugung im Oberlauf dieser Gräben zu verhindern. Sie umfaßte die Abtreppung der sehr steilen, in Glazialschutt eingeschnittenen Grabenpartien mittels gemauerter Sperren und erzielte im Verein mit der 1651 fertiggestellten Unterlaufregulierung eine so vollständige Unschädlichmachung der Gräben, daß das Interesse an diesen abflaute, und die an abgelegenen, schwer zugänglichen Stellen erbauten Werke im Laufe der Zeit bei den Stadtvätern gänzlich in Vergessenheit gerieten, bis sie in den 1860er Jahren wieder entdeckt wurden. 4

Derartige der Bodenbefestigung dienende Bauten wurden allerdings nur in Ausnahmefällen ausgeführt; auch die Erbauung von Stausperren beschränkte sich auf wenige Werke und bis zu Ende des 18. Jahrhunderts umfaßten die Arbeiten der Hauptsache nach doch nur Schutzbauten am Unterlauf der Wildbäche. Daß man hierbei mitunter in sehr großzügiger Weise vorging, beweist das Beispiel des Centa- baches im Suganatal, der früher zwischen den Ortschaften Caldonazzo und Caorzo abfloß und in den Caldonazzosee mündete. Als es nach dem Hochwasser des Jahres