Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich.
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Frankreich, das so häufig als die Wiege der Wildbachverbauung bezeichnet wird, folgte auf diesem Gebiet erst später, und Professor Culmann erzählt, daß er noch im Jahre 1860 zwar mit durch die französische Literatur hoch gespannten Erwartungen das Gebiet der französischen Alpen besucht habe, um die dort ausgeführten Verbauungen zu studieren, daß er aber zu seiner großen Enttäuschung nur in der wenig gefährlichen Roise bei Grenoble drei kleine Sperren vorgefunden habe und diese in beschädigtem Zustand. 12
Trotz Duiles Wirken blieben aber systematische Verbauungsarbeiten auch in Tirol nur sehr vereinzelt. Eines der wenigen Beispiele einer solchen Tätigkeit ist der Rivo Varone oder Magnone bei Riva, woselbst in den Jahren 1846 bis 1852 eine Abtreppung der angebrochenen Grabenstrecke mittels 84 Querwerken ausgeführt wurde 13 . Diese Werke bestanden aus Pfahlreihen mit je einer oberen und unteren, nach rückwärts verankerten Langschwelle, welche mit Steinen hinterbeugt waren und den Fuß der Bruchfläche von weiteren Wasserangriffen schützten.
Im übrigen beschränkte man sich damals noch in der Hauptsache auf einzelne Stauwerke und Schutzbauten am Unterlaufe. Auch das für die Regulierung der Wildbäche, namentlich des Noce,
Avisio und der Fersina bestimmte Drittel des mit den Hofdekreten vom 5. Juni 1828 und 12. März 1835 bewilligten jährlichen Staatsbeitrages von 30.000 fl. zur Etschregulierung 14 wurde ausschließlich für solche Arbeiten verwendet, unter denen
die mit der Herstellung eines großen Ablagerungsplatzes verbundene Ableitung des Noceflusses von Mezolombardo gegen Zambana besondere Erwähnung verdient.
Aus Salzburg und Oberösterreich ist die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts erfolgte Errichtung einiger einwandiger Holzsperren im Sturmbach im Oberpinzgau 15 und von 155 Holzsperren in 23 Seitengräben des Gosaubaches im Salzkammergut bekannt, die teils zu Stau-, teils zu Bodenbefestigungszwecken in den 1820er Jahren von der Staatsforstverwaltung erbaut wurden. 16
Die großen Hochwässer der Jahre 1848 und 1851 veranlaßten die Ausführung von Verbauungsarbeiten auch in Kärnten, woselbst in mehreren Wildbächen des Drau- und Kanaltals Holz- und Steinsperren zum Zweck des Geschieberückstaues errichtet wurden. 10 ’ 17
Mittlerweile waren die Verhältnisse am Etschfluß immer ungünstiger und die Regulierung desselben immer dringender geworden und von namhaften Wasserbaumeistern war wiederholt auf die Notwendigkeit der Verbauung der Wildbäche hingewiesen worden. 14 Ähnliches trifft auch für den Rhein in Vorarlberg zu. 18 Aber auch diese Gutachten blieben zunächst ohne Wirkung.
Da gelang es um die Mitte der 1870er Jahre dem Landesforstinspektor von
* Duile wurde am 19. März 1776 in Graun, Vinschgau, geboren; im Schrifttum enthaltene anders lautende Angaben sind nicht zutreffend.
Abb 1. Josef Duile 1776—1863 Tirol. Baudirektions-Adjunkt.*