Aufsatz 
Die Entwicklung der Wildbachverbauung in Österreich / von G. Strele
Entstehung
Seite
110
Einzelbild herunterladen

110

Gr. STRELE

Trient Johann Rieder, das Interesse der Bevölkerung des Fersinatals für die Un­schädlichmachung der dortigen Wildbäche zu wecken und sie zur Ausführung von Verbauungsarbeiten in den Sammelgebieten zu bewegen, deren Kosten sie ab­gesehen von einer kleinen Landesunterstützung selbst tragen mußten. 5 Die Leitung der betreffenden Arbeiten, die sich grundsätzlich auf Bauten zur Boden­befestigung und auf Berasungen und Aufforstungen beschränkten, oblag dem Bruder des Vorgenannten, dem damaligen Forstadjunkten Cornelius Rieder in Pergine. Die beiden Brüder hatten damals noch keine Kenntnis von den französischen Ver­bauungsarbeiten und entwickelten selbständig ein diesen ähnliches System. 19

Im Jahre 1879 wurde sodann mit dem Gesetz für die Etschregulierung in der Strecke von St. Michele bis Sacco auch ein Betrag von 350.000 fl. für die Verbauung des Avisio und ein solcher von 100.000 fl. für Aufforstungen, kleine Talsperren und ähnliche Arbeiten in den anderen Seitenbächen sichergestellt. Ersterer wurde in den Jahren 1880 bis 1886 zur Erbauung der monumentalen Talsperre von St. Giorgio am Ausgang der Avisioschlucht bei La vis und zu Schutzbauten am Avisio-Unterlauf unter bautechnischer Leitung verwendet, während letzterer die Möglichkeit bot, die bereits erwähnte Verbauungs- und Aufforstungstätigkeit im Fersinagebiet unter forsttechnischer Leitung etwas ausgiebiger zu gestalten und auch auf einige Wildbäche des Avisio- und unteren Etschtals auszudehnen. Diese Arbeiten haben sich anläßlich der Hochwasserkatastrophe des Jahres 1882 vorzüglich bewährt.

Gegen Ende der 1870er Jahre setzte auf Grund des Gesetzes vom 17. Juni 1875 betreffend die Gailregulierung auch eine Verbauungstätigkeit in den Zuflüssen der Gail in Kärnten ein, woselbst durch die Gailbauleitung aber beinahe ausschließ­lich nur vereinzelte Stausperren in etwa zehn Wildbächen erbaut wurden. 20 Ebenso wurden in mehreren Seitenbächen des Möll- und Drautals noch vor dem Hochwasser 1882 Talsperren errichtet und sonstige Schutzbauten ausgeführt. 5

Den Hauptanstoß zu einer lebhafteren Verbauungstätigkeit gaben dann die beiden furchtbaren Hochwasserkatastrophen, die im September und Oktober 1882 rasch hintereinander über Südtirol und Oberkärnten hereinbrachen und ungeheure Verwüstungen verursachten.

Um einer Wiederholung derartiger Schäden tunlichst vorzubeugen, wurde mit dem Reichsgesetz vom 13. März 1883 der Gewässerregulierungsfonds für Tirol ge­schaffen. 21 Zur Oberleitung der Bauten wurde eine eigene Landeskommission bestellt , deren Geschäfte durch das Statthaltereipräsidium in Innsbruck geführt wurden. Von den Wildbach verbauungsarbeiten wurden die Hauptschluchtverbauungen und die geschlossenen Regulierungen mit einem Gesamtaufwand von 1,726.500 fl. von bautechnischer Seite durchgeführt, 22 die übrigen Arbeiten aber den Forsttechnikern der politischen Verwaltung übertragen, zu deren Unterstützung eine Anzahl von Forstassistenten durch die Landeskommission bestellt wurde. 21

Mittlerweile hatte sich das Wildbachverbauungswesen in Frankreich unter der Leitung der Staatsforstverwaltung in vorbildlicher Weise entwickelt und war zu dem sogenannten forstlichen System ausgebildet worden, das besonderes Gewacht darauf legt, die Wirkung der baulichen Herstellungen durch Aufforstungen zu sichern. Diese ihm auf seinen Reisen bekanntgewordenen Verbauungen veranlaßten den Professor der Hochschule für Bodenkultur in Wien, Dr. Arthur Freiherr von