Die Entwicklung der Wildbacliverbauung in Österreich.
117
kronen ergibt, den Altösterreich in den Jahren 1883 bis 1919 für die durch die Forsttechniker ausgeführten Verbauungsarbeiten auf ge wendet hat.
Die Staatsunterstützungen für diese Bauten wurden — soweit nicht eigene Kredite hierfür bewilligt worden waren — aus dem staatlichen Meliorationsfonds, der im Jahre 1914 mit 8 Mill. Kronen dotiert war, und aus einer weiteren Kreditpost von 4 Mill. Kronen für kleinere, nicht gesetzlich zu regelnde Meliorationsarbeiten bestritten, von welchen Summen aber große Teilbeträge auch für andere Zwecke bestimmt waren.
Als trotz aller von den verbündeten Mittelmächten erfochtenen glänzenden Siege der Weltkrieg einen unglücklichen Ausgang genommen und mit der Zertrümmerung der alten Monarchie geendet hatte, verblieb vom Gebiete der früheren cisleithanischen Reichshälfte nur weniger als ein Drittel dem nun zum Bundesstaat gewordenen Österreich. Ungeachtet gegenteiliger Bestrebungen blieb in diesem die Wildbachverbauung Sache des Bundes, und ihre altbewährte Organisation wurde nicht geändert. Sie wurde aber durch die Gründung neuer Sektionen ausgebaut: das im Friedensvertrag zu Österreich geschlagene Burgenland gehört nun zusammen mit Nieder Österreich zum Amtsbereich der Sektion Wien; in allen anderen Bundesländern bestehen hingegen eigene Sektionen, und zwar mit dem Amtssitz in den Landeshauptstädten; nur die Sektion für Kärnten, die sich seit 1884 in Villach befindet, macht hiervon eine Ausnahme. An dieser Organisation und Diensteseinteilung wurde auch durch die ENDERsche Verfassungsreform 1934 nichts geändert. Im Staatsamte für Land- und Forstwirtschaft, das später wieder die Bezeichnung Ministerium erhielt, war das Departement für Wildbachverbauung zu Kriegsende zwar mit jenem für Forstpolizei zusammengelegt, im Jahre 1924 aber von demselben wieder abgetrennt worden und kam dann unter die zielbewußte Leitung des Ministerialrats Ingenieur Dr. Ottokar Härtel.
Die Wiedereingliederung der aus dem Kriege heimgekehrten Ingenieure und Angestellten in den Dienst ging zwar ohne nennenswerte Reibungen vor sich, doch ergaben sich bezüglich der Arbeiter insofern Schwierigkeiten, als früher größtenteils solche aus den nun von Österreich abgetrennten Gebieten (Südtirol, Krain und Küstenland) beschäftigt waren, die jetzt ausblieben, die Heimkehrer aber sich großenteils nur langsam und schwer wieder in das bürgerliche Leben eingewöhnten. Ihrer mitunter ans Revolutionäre gemahnenden Einstellung wurde seitens der Regierung durch Einführung der Arbeiter- und Betriebsräte Rechnung getragen. Zu diesen Schwierigkeiten kam noch die unheimlich rasch fortschreitende Geldentwertung, die alle angesammelten Baufonds vollständig entwertete und jede Kostenveranschlagung in kürzester Zeit wertlos machte.
Der Meliorationsfonds hörte auf zu bestehen, und für die einzelnen Bauvorhaben — auch wenn sie sich auf mehrere Jahre erstreckten — konnten die Mittel jeweils für höchstens ein Jahr sichergestellt werden. Seit dem Jahre 1922 geschieht dies in Form von Jahresbauprogrammen, was zwar die Anpassung an zwischenzeitig eingetretene Änderungen der Verhältnisse erleichterte, aber den Nachteil mit sich brachte, daß man bei den einzelnen Bauten nicht mehr mit bestimmten Beträgen für die Fortsetzung rechnen kann.
In den ersten Jahren nach Kriegsende hielt sich die Bautätigkeit in sehr engen