Vom k. k. Fabriksprodukten-Kabinett zum Wiener Technischen Museum von heute.
Von
Viktor Schützenhofer.
Mit 8 Abbildungen.
Über das Wiener Technische Museum für Industrie und Gewerbe ist bereits — auch im Rahmen dieser Veröffentlichungen — des öftern geschrieben worden, jedoch, wenn man von dem der Erbauung des neuen Hauses vorangegangenen Bericht Wilhelm Exners aus dem Jahre 1908 absieht, immer weniger über das Institut als über die Verdienste einzelner Personen um dessen Auf- und Ausbau.
Die vorliegende Erörterung soll eine gedrängte, rein sachliche Darstellung des Werdens des Wiener Technischen Museums geben, und zwar nicht allein der Schöpfung aus dem Jahre 1918, sondern auch seiner, einem Wirtschaftsbedürfnis Österreichs entsprechenden Entwicklung von der ersten Form des Entstehens zu Beginn des 19. Jahrhunderts bis’zu seiner jetzigen Form, eine Darstellung, die zeigt, daß das Wiener Institut nach dem Conservatoire des Arts et Metiers in Paris zeitlich das zweite Technische Museum der Welt ist.
Solange Werkstätten für die Heranbildung der Erzeuger technisch-gewerblicher Produkte genügten, war ein Bedürfnis nach technischen Bildungsstätten nicht vorhanden. Mit dem durch die Erfindung der Dampfmaschine eingeleiteten Aufstieg der Technik und der sich damit ergebenden Industrialisierung der Welt trat die Notwendigkeit der Gründung technischer Lehranstalten, aber auch die der Schaffung von Nachweisstätten — nun gesteigerter — technischer Leistungen ein, die vorerst nur als vorübergehende Ausstellung veranstaltet, dann aber von bleibenden Einrichtungen abgelöst wurden. Von diesen wieder sind die Industrie- und Gewerbekabinette als Ursprungsform technisch-gewerblicher Museen anzusehen.
Vorläufer derselben finden wir in Österreich schon im 18. Jahrhundert. Zu ihnen zählen die den Fabriken in großen Städten bewilligten Verschleißniederlagen, als deren Keimzellen Musterkarten anzusehen sind, die zur Zeit Kaiser Josef II. unter die Handelsleute verteilt wurden. Unter Fabriken verstand man damals außer der Zunft stehende Großunternehmungen, die sich in nicht unbeträchtlichem Maße auf Heimarbeit stützten. Den Verschleißniederlagen folgten vorübergehende Ausstellungen, auf die später zusammenfassend zurückgekommen werden soll.
Technikgeschichte, 9. Heft.
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