Aufsatz 
Aloys von Widmanstätten / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
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Viktor Schützenhofer

verdient anerkant wird, glaubte ich in Ruhe und zum besten meines Vaterlandes meine Tage baschlüssen zu können; da mich der hohe Rang meines erlauchten Chefs vor allen Angreifern schützen, und sein mächtiger Einfluß mir alle Mittel sichern könnte, um das mir aufgetragene schwere Unternehmen mit Ehren auszuführen, was ohne dieser Voraussetzung auf keine Weise möglich ist: hätte ich mir damahls wohl vorstellen können, daß an einem großen Hof und unter einem solchen Schutz meine Existenz nicht gesichert seyn sollte!

Hat nun auch der Drang der außerordentlichen Zeit Verhältnisse meine Pläne verzögert, so sah ich doch mit Zuversicht der ruhigen Zukunft entgegen. Allein nun soll ich auf einmahl meine Unabhängigkeit, meine mir so theuren Vorgesetzten ver- liehren, der ich nun bereits über 8 Jahre unmittelbarer Direktor bin! Der ich alle Pläne zu den Großen Gebäude entworfen und bereits den Grundstein gelegt habe; man voll mir, der ich nun dem Allerhöchsten Hof anzugehören die Ehre habe, eine Lehrstelle in einer Elementar Schulle an weisen! einem Mann unterordnen, der mir so sehr am Alter, auch selbst, was die Kategorie als Direktor am k: k: Hof betrift, zurückstehet, der noch keine Anstalt leitete und der mir in meinem Fache weder Erkenntnisse noch Belehrung mittheilen wird. Selbst die hohe k: k: Studien Hof­kommission hat in ihrer Erörterung an Euer Excellenz vom 7ten April d: J: das Unausführbare einer solchen Unterordnung anerkannt, und ausdrücklich bemerkt, daß ich, außer dem Gemeinschaftlichen Lokale, ganz unabhängig seyn solle und, in der Vervollkomnung meines mir untergeordneten Kabinetes ungestört fortarbeiten könne. Diese hohe Behörde hat also ganz richtig gefühlet, daß eine Unterordnung unter den Direktor des polytechnischen Institutes, als ein sicherer Beweis der aller­höchsten Unzufriedenheit allgemein angesehen werden würde. Aber wodurch hätte ich mir dieselbe zuziehen können! Ich weiß wohl, daß der Unglückliche von der Welt imer beschuldigt wird, vor derselben imer Unrecht hat. Auf diese Be­schuldigungen werde ich aber nicht achten, denn ich habe mir nichts vorzuwerfen. Noch nie erhielt ich eine unangenehme Erinnerung, sondern Sr. Maj: geruhten noch jederzeit meine von Euer Excellenz gnädig unterstüzte Anträge und Pläne nach ihrem vollen Inhalte huldvoll zu genehmigen. Ich habe in meinem Kabinete alles geleistet und geordnet und ich erwarte mit voller Ruhe jede Untersuchung ob ich unter den gegebenen Umständen mehr hätte leisten können, und ob meine an­gestrengte Verwendung, und das, was ich würklich zu Stande brachte, nicht die Zufriedenheit Sr. Maj. verdiene. Euer Excellenz sind hierüber selbst der kompe- tendste Richter und ich fühle die größte Beruhigung darin, in der Person meines Vorgesetzten zugleich meinen Vollgüldigen Vertretter in Anspruch nehmen zu dürfen. Euer Excellenz edelmüthiges Herz wird nicht zugeben, daß ich zum Lohn meiner Großen Aufopferung durch den Übertritt in die k: k: Dienste, und meiner mit aller Anstregung erfüllten Dienstpflicht, in der öffentlichen Meinung so sehr herabgewürdiget werde. Ich habe mich nirgends hervorgedrängt, Niemand in seinen Würkungskreiß eingegriffen, aber meinem Ehrgefühl ist es auch unerträglich mich anderen unverdient nachgesetzt, auf solche Art degradiert und mich um den wohlverdienten Lohn meiner Bemühungen gebracht zu sehen.

Da mir in der Welt nichts so theuer ist als die Ehre, und keinen größeren Schmerz kenne, als den durch irgend eine Verletzung auf dieser so empfindlichen