Aufsatz 
Aloys von Widmanstätten / von Viktor Schützenhofer
Entstehung
Seite
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Aloys von Widmanstatten.

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technischen Schule, die k. k. Bildergalerie, die k. k. Akademy der bildenden Künste etc. ein verleibt werden, weil jene Kabinete ebenfals Gegenstände enthalten, welche Objekte, der nämlichen Wissenschaft sind! Der Begriff, welchen ich mir von dem Zweck, Inhalt und Anordnung eines k. k. der Autopsie gewidmeten Kabinetes oder Museums machte und nach den großen Muster, die ich vor Augen hatte, machen mußte, ist Himelweit von jener einen Sam lung unterschieden, welche ich für den Gebrauch eines mündlichen Kanzel Vortrages für Schüler erforderlich halte. Die Exemplarien, die Aufstellung, Anordnung, die ganze Tendenz, das Publikum, mit einem Wort alles ist anders und muß es seyn. Einer höheren Ansicht bin ich in allen meinen Entwürfen gefolgt, bey dem Antritt meines Amtes, biß auf diesen Augenblick. Diese meine Entwürfe erhielten die Genehmigung Sr. Maj. und Eure Excellenz haben sie anerkannt. Jedermann hält dafür, daß diese Anstalt der Würde eines Großen Monarchen und dem Zeitalter einer gebildeten Nation angemessen seyn müsse. Ebenso groß müßte jedermann, der das bereits bestehende Kabinet ge­sehen, die Noth wendigkeit seiner Selbstständigkeit und die Unterordnung unter einen Chef von großer Würde und Ansehen, anerkennen, weil nur unter diesen Bedingungen die Ausführbarkeit einer solchen Unternehmung möglich ist.

Es ist sehr natürlich, daß eine große Anstalt und die ungeheure Menge von Gegenständen auch einen größeren und der Würde angemessenen Raum erfordern. Niemand zweifelte vor nicht gar langer Zeit an dieser Wahrheit. Jeder der für solche Samlungen, Aufstellungen, Sinn und Beurtheilung mitbrachte, gestand: daß das was bisher geleistet worden, eine glückliche und zweckmässige Zustande- bringung im Grunde erwarten ließe, sobald die unumgänglich nöthigen Mittel und Unterstützung nicht mehr fehlen würde. In Erwartung dieses für das k: k: Kabinet so erwünschten Augenblickes, habe ich ohne mündlichen noch schriftlichen Ge­räusches meine Arbeiten, so weit als möglich ununterbrochen fortgesetzt, ohne im geringsten zu ahnen, daß diesem Kabinet ein solches Unglück bevorstehe und einer Lehrs chule ein verleibt werden sollte, wodurch alle die großen und nützlichen Anstalten ihrem Untergange zugeführt werden würden; Anstalten, die doch als die ehrenvollsten Denkmähler der Kultur, der Liebe zu den Wissenschaften und Künsten unserer Regenten, und vorzüglich unseres jetzt lebenden gnädigsten Kaisers die allgemeine Bewunderung und Verehrung erworben.

ad b: Die Akten weisen aus, daß ich die Anstellung bey dem Kabinete nicht angesucht habe, noch ansuchen konnte, weil ich von der Existenz eines solchen Planes dazumahl nicht die geringste Kenntniß hatte. Man hat mir diesen Platz angebothen. Ich war als Direktor der Pottendorfer Fabrik auch dem Staat nützlich. An würklich genossenen Vorzüglich aber an künftig mir zugesicherten Emolumenten habe ich bey meinem Übertritt ein sehr empfindliches Opfer gebracht. Allein ich folgte mit Vergnügen dem Rufe meines Regenten, da der mir angewiesene Wirkungs­kreiß meinen Fehigkeiten, und Neigungen entsprach, der Umgang der vorzüg­lich literarischen Männer der Hauptstadt mir viele geistige Resourcen eröffnete. Endlich muß ich bemerken, daß mich ganz eigentlich der allgemeine Ruf von dem vortrefflichen Karakteur Euer Excellenz zur Annahme meines Dienstes bewog. Einzig Euer Excellenz, einen so wissenschaftlichen und erprobten Kunstkenner untergeordnet, Euer Excellenz, dessen Rechtschaffenheit und Herzens Güte so wohl-