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Viktor Schützenhofer
Ich fange mit der Nebensache an: Man hat mich zum Lehramt der Technologie aufgefordert. Diese Zumuthung ist doch äußerst sonderbar. Ich habe mich nie dem öffentlichen Kanzelvortrage gewidmet. Weder meine Geburth noch Vermögensverhältnisse, noch besondere Neigung haben mich zu dieser Laufbahn bestimmt, die ich sonst vor mehr als 30 Jahren betretten, und nun schon das ehrenvolle Ziel derselben erreicht haben würde. Nun aber will man, daß ich in meinem 59ten Jahr den Versuch eines Lehrers, und zwar bey einer Elementaranstalt beginnen soll. Ich bin stäts gewohnt, mich nur einem Geschäfte zu unterziehen, als wo ich im Verhältniß meiner Kräfte den guten Erfolg zu verbürgen vermag. Ich kann demnach nicht einen Augenblick anstehen, den mir gemachten Antrag abzulehnen.
Die eigentliche Hauptsache aber betrifft:
a) Die Einverleibung des k. k. Fabriks-Produkten-Kabinetes zu dem polytechnischen Institute, und
b) meine Unterordnung unter dem Direktor der oben erwähnten Anstalt.
ad a: Ich diene nicht aus Eigennutz. Ich habe Liebe und Interesse für das
mir anvertraute Kabinet. Die angetragene Verfiegung thut mir daher äußerst wehe, den es heißet im Grunde nichts anderes, als das Kabinet auflößen und diese große und nützliche Anstalt, welche durch die Weisheit Sr. Majestät entstand, und durch Ihre Gnade und Großmuth schon zu einer solchen Bedeutenheit emporgewachsen ist, daß es bereits in dem gegenwärtigen Zustande den Beyfall des In- und Auslandes erregte, wieder zerstören. Man durchgehe die allerhöchsten Befehle und Entscheidungen namentlich jene vom 13ten Feb 1807, vom 19ten Jener, vom 14ten und vom löten April 1809 und man wird unwiderlegbar finden, daß die großwürdige Absicht Sr. Maj. einzig war: eine eingesante Samlung der Fülle des gesamten Kunstfleißes der ganzen Österreichischen Monarchie aufzustellen, und durch unmittelbares Anschauen (Autopsie) nicht dem erst zu unterrichtenden Schüller, sondern den schon gebildeten Künstler, den Fabrikanten, den Kaufmann, den Staatsmann und den geübten Kenner zu überzeugen: was österreichische Betribsamkeit leistet, und welche Vorbilder sie noch zu erreichen habe. Die nämliche Vorstellung wurde auch von sämtlichen Herren Länder Chefs in einer eigenen von Sr. Maj. den 21. Jenner 1809 angeordneten außerordentlichen Session zum Grunde gelegt. Sr. Maj. würden auch nicht die Fabrikanten durch ein eigenes zu Bruck an der Muhr den 11. September 1807 an alle Länder Chefs erlassenes Handbillet auf gef ordert haben Musterstücke für eine Elementar Schule zu überschicken, sondern ,damit sie in einer allgemeinen Sammlung' anschaulich vor ganz Europa den Erfolg vor Augen lege, auf welcher hohen Stufe der Kultur der Österreichische Kaiserstaat sich bereits befindet; wo er mit der Zeit fortschreitet, und welche Quellen des Reichthums und der Macht ihm auch in dieser Beziehung zu Gebothe stehen. Muster von ganz anderer Art gehören dazu, nun Lehrlingen den Stoff zu liefern, die Bestandtheile, die Fabrikation, und die Grundmerkmahle des verschiedenen Kunstfleißes kennen zu lernen. Allein nun soll eine kostspilige, ausgedehnte, und ganz zu einem anderen Zweck bestirnte Samlung selbst der Schule einverleibt werden, weil man in dieser die Technologie durch mündlichen Vortrag zu lehren vorhat, und hiezu ebenfalls Muster verlangt. Aus dem nämlichen Grunde müßten auch die anderen k. k. Kabinete der poly-