Aufsatz 
Der Lebenslauf Friedrich Ritter von Lössls / von Kurt von Lössl
Entstehung
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Friedrich Ritter von Lössl.

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zunächst mit den neuartigen Waagen die früheren Experimentalergebnisse und baute viele neue Einrichtungen. Endlich konnte er Flächen bis zur Größe von 2 m 2 am Rundlaufgerät einspannen. Ein Original des Rundlaufgerätes und zahl­reiche zu den Versuchen mit diesen gehörenden Widerstandsflächen und Kör­per, die Lössl für Wellner (S. 53, Anm. 1) anfertigte, sind im Wiener Tech­nischen Museum zur Schau gestellt; sie kamen dorthin aus dem Nachlaß Wellners.

Den 'größten Teil des Jahres 1894 verbrachte Lössl mit systematischer Zu­sammenstellung aller seiner aerodynamischen Experimentalergebnisse und faßte diese in einem Buch zusammen. Leider wurden diese Arbeiten durch eine aber­malige schwere Krankheit, die jede anstrengende Geistesarbeit unmöglich machte, unterbrochen. Erst zu Anfang des Jahres 1896 konnte das V 7 erk erscheinen; es führt den Titel:Die Luftwiderstandsgesetze, der Fall durch die Luft und der Vogelflug mathematisch-mechanische Klärung auf experimenteller Grundlage entwickelt.

Vom Jahre 1896 an war Lössls dauernder Wohnsitz die Villa Gentiana in Aussee. Nur in den Wintermonaten siedelte er nach Wien über und nahm dort nach Möglichkeit an den Versammlungen des Flugtechnischen Vereines teil. Er hielt Aufklärungsvorträge über seine Versuche und verfaßte Druckschriften, in denen er seine wissenschaftlichen Erkenntnisse gegen jene verteidigte, die deren Richtigkeit anzweifelten. Lössl schreibt über diese Zeit wie folgt:Es zeigte sich jedoch, daß mein Buch von 1896 eine ganze Schar von Widersachern erweckt hatte, welche ihre subjektiven Vorstellungen mit den Angaben meiner tatsäch­lichen Experimentalergebnisse nicht im Einklänge fand und mich in endlose Polemiken verwickelten, welche auch durch meine weiteren Vorträge und Druck­schriften zu keinem Ende gebracht werden konnten. Namentlich haben meine wiederholten Vorträge und Schriften des Jahres 1897 über eines der allerwich­tigsten und interessantesten aerodynamischen Phänomene die anhaltendste Oppo­sition gefunden. Dieses einst zu meiner eigenen Überraschung aufgefundene Phänomen besteht darin, daß eine rechtwinklig gegen ihre Antriebsrichtung ein­gestellte dünne Platte, sobald sie gleichzeitig während ihrer Vorwärtsbewegung sich in eigener Ebene verschiebt, einen bedeutend zunehmenden Luftwiderstand erfährt und daß also auch eine waagrecht postierte und lotrecht in die Tiefe fallende Platte, wenn sie gleichzeitig sich horizontal verschiebt, einen größeren vertikal wirkenden Luft widerstand zu überwinden hat und langsamer niedersinkt als ohne ihre Verschiebung. Durch diesen experimentellen Befund wird das Rät­sel des schwebenden oder gleitenden Vogelfluges geklärt und für den aviatischen Kunstflug eine feste Grundlage zur sicheren Beurteilung und ziffernmäßigen Berechnung geboten. Es ist mein Stolz, durch meine mühsamen, viele Zeit und Kosten verschlingenden Experimente auch dieses wichtige Grundgesetz der Aerodynamik festgestellt zu haben.

Überall in der Welt begann man damals Flugapparate zu bauen; das Jahr 1898 brachte viele derartige Projekte, die auch im Wiener Flugtechnischen Verein zu vielen Diskussionen Anlaß gaben. Lössl hatte schon seit dem Jahre 1880 enge Fühlung mit Wilhelm Kress, der nun in einem izusammenfassenden Vortrag das Projekt seinesDrachenfliegers darlegte und seine Konstruktion an einer Reihe