Technikgeschichtliche Bücherschau.
Von
Dipl.-Ing. Erich Kurzel-Runtscheiner.
Wenn in eine Folge der „Blätter für Technikgeschichte“ eine Büchenschau eingeschaltet wird, dann hat diese unseres Erachtens folgenden Zwecken zu dienen: Sie soll auf neu erschienene oder bisnun wenig beachtete ältere Erscheinungen auf dem 'Gebiet der Technikgeschichte aufmerksam machen, sie soll darlegen, inwieweit in Büchern, die diesem Sachgebiet nicht angehören, technik- geschichtliche Hinweise gegeben, technikgeschichtliche Themen erörtert werden und isie soll endlich Lebensgesdhiichte und Leistungen von kürzlich verstorbenen Männern der Technik an Hand ihres literarischen Nachlasses aufzeigen. Wenn hierbei das Blickfeld nicht ausschließlich auf den Raum Österreich beschränkt bleiben soll, so ist es doch klar, daß den Erscheinungen des Heimatlandes und dessen Belangen ein Vorzug gebührt, der sich allerdings auch schon aus den buchhändlerischen Verhältnissen ergibt, die zu den Begleitumständen der Nachkriegszeit gehören.
Im Sinn dieser Zielsetzung ©ei zunächst auf zwei bereits vor längerer Zeit in nordischen Staaten erschienene wertvolle technikgeschichtliche Veröffentlichungen hingewiesen. Die erste dieser beiden Arbeiten führt den Titel „Zur Geschichte des mittelalterlichen Geschützwesens aus orientalischen Quellen“, ist vom finnischen Forscher Kalervo Huuri verfaßt und 1941 in Helsinki abgeschlossen und gedruckt. 1 Diese auf seltenen sprachkund- lichien Kenntnissen, auf profundem Quellenstudium und mit tiefer Einfühlung in die Materie aufgebaute Forscherarbeit behandelt die antike und die mittelalterliche Geschichte der Schleudergeschütze und Armbruste bis etwa 1300. Hierbei versucht der Verfasser in die verworrene Artillerieterminologie dieses Zeitablaufes Ordnung zu bringen und an Hand der daraus gewonnenen Erkenntnisse die Entwicklungsphasen abzugremzen; auch beweist er die Überlegenheit des Kriegsmaschinenbaues der Araber über jenen des Abendlandes zu Beginn der Kreuzzüge, wobei im Lauf der Berührung dieser beiden Kulturkreise während der etwa ein Jahrhundert 'dauernden Kampfhandlungen der Westen den Vorsprung des Ostens aufholt, ja diesen wohl sogar überflügelt. In Hinkunft
1 Huuri Kalervo: „Zur Geschichte des mittelalterlichen Geschützwesens aus orientalischen Quellen“, Studia orientalia IX 3, herausgegeben von der Finnischen Orientgesellschaft, Helsinki 1941.
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