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Franz Kirnbauer
sie sugar mit eigenen Augen sehe.“ Das entspricht dem Wesen der GoETHEschen Naturbetrachtung: „ ... wir gewöhnen uns vielmehr, die Idee in der Erfahrung aufzusuchen, überzeugt, diaß die Natur nach Ideen verfahre, ingleiohen daß der Mensch in allem, was er beginnt, eine Idee verfolge.“ In seinem Aufsatz ,.Bedenken und Ergebung“, der einen tiefen Einblick in des Dichters Gedankenwelt gewährt, schreibt Goethe den entscheidenden Satz: „Die Schwierigkeit, Idee und Erfahrung miteinander zu verbinden, erscheint sehr hinderlich bei aller Naturforschung. Die Idee ist unabhängig von Kaum und Zeit, und Naturforschung ist in Raum und Zeit beschränkt.“ Das ist ein klares Bekenntnis zum Idealismus und eine Absage an alle NEWTONsche und moderne Erfahrungswissenschaft, die sich niemals durch Ideen an der Forschung „behindern“ läßt.
Mineralogie und Geologie. Schon auf seinem Ritt nach Straßburg (1770) und seiner anschließenden ersten Reise ins Saargebiet hatten Goethe die Steine der Landstraße im besonderen Maße gefesselt. Man wird wohl nicht fehlgehen, wenn man das Interesse des Dichters an Mineralen und Gesteinen bereits auf die Kenntnis der damals berühmten, in Frankfurt am Main befindlichen SENCKENBERGischen Sammlung zurückführt, die dem Knaben Goethe sicherlich bekannt geworden ist. War doch Senckenberg der Hausarzt der Familie Goethe gewesen.
Als der Dichter des Werther nach Weimar kam, trat er nicht nur in den übermütigen Kreis eines kleinen Hofes ein, sondern lernte als Minister bald auch die Nöte eines durch Krieg und politische Verwicklungen verarmten Landes kennen: Der Landbau sollte modernisiert, der Straßenbau entwickelt, der verfallene Bergbau wieder in Blüte gebracht werden.
Bis dahiin hatte ein klares Künstlerauge die unendliche, schöne Natur nur bewundert; jetzt sollte die Natur eines einzelnen Gebietes zum Wohle seiner Bewohner gemeistert werden. Mit jugendlichem Feuereifer stürzte sich Goethe daher in die ihm bisher fremde Welt wirtschaftlicher Gebiete.
Als Vorbedingung für diese Arbeiten erkannte Goethe intuitiv die Notwendigkeit der Beherrschung der Grundlagen, nämlich der Mineralogie und Geologie, oder, wie man damals sagte, Geognosie, wozu ihn aber auch eine ganz ausgesprochene persönliche Neigung trieb.
Ein alter Silbererzbergbau (bei Ilmenau sowie ein kleines Kohlenbergwerk bei Manebach waren schon vor Jahrzehnten zum Erliegen gekommen. Unterirdische Wassereinbrüche hatten die Weiterarbeit unmöglich gemacht. Jetzt sollten die Wässer gebändigt, die Schächte wieder eröffnet werden. So entzog sich Goethe dem tollen Treiben der Jagd in den Thüringer Wäldern und wunderte mit dem Hammer durch Felsen und Stollen, um die geologischen Voraussetzungen seiner neuen Tätigkeit zu gewinnen. Ein junger Bergmann, der Sohn des weimarisdhen Ministers Voigt, wurde zu dem berühmten Mineralogen Abraham Gottlob Werner nach Freiberg geschickt und der bekannte Berghauptmann von Trebra aus Clausthal als Berater gewonnen.
Über den Weitergang des Ilmenauer Bergwerkes wird später noch berichtet werden. Goethe über, als Mann der Tat und selbständiger Beobachtung, wollte mit eigenen Augen den Oberharzer Bergbau kennenlernen, um Vergleiche ziehen