50
Viktor Sciiützenhofer
Generalinspektor der Eisenbahnen. Über die frühere Enthebung lind ihren Grund spricht niemand mehr.
Inzwischen tritt Negrelli in Wien und Lesseps in Paris in Wort und Schrift für den Suezbanalbau ein. Am 23. Juni 1856 wird in Paris von Lesseps die erste Sitzung der Internationalen Kommission des Meereskanals von Suez eröffnet, >an der Vertreter Frankreichs, Englands, Spaniens, Preußens, Sardiniens, Hollands und Ägyptens teilnehmen und Österreich durch Negrelli vertreten ist. Die zuerst behandelte Frage der Linienführung endet mit einem vollen Sieg Negrellis, dessen Trasse zur einstimmigen Annahme kommt. In gleicher Weise wird nach hartem Kampfe sein Vorschlag der schleusenlosen Ausführung genehmigt. Nachdem das Schicksal Negrelli kurz vorher so hart angefaßt hatte, schenkt es ihm nun den größten Triumph seines Lebens.
Am 21. und 22. Juli 1856 nimmt er in Frankfurt am Main als österreichischer Vertreter an der Generalversammlung Deutscher Eisenbahnverwaltungen teil. In seinen Aufzeichnungen über die Sitzung findet sich die Bemerkung, daß es ihn mit Stolz erfüllt habe, dabei unter dem Bildnis des von ihm so sehr verehrten Beschützers seiner Jugend, des verblichenen Kaisers Franz, sitzen zu können.
Der Herbst vergeht mit einer Inspektionsreise nach den italienischen Provinzen, bei welcher Gelegenheit er noch einmal seinen inzwischen in den Ruhestand versetzten Gönner und väterlichen Freund, den Feldmarschall Grafen Radetzky besucht, der ihn in alter Herzlichkeit empfängt.
Lesseps ist zu dieser Zeit bemüht, der Frage des Baues des Suezkanals eine festere Grundlage zu geben. Er braucht hiezu den Könner und veranlaßt den Vizekönig von Ägypten, Negrelli zum Generalinspektor der Kanalbauten zu ernennen.
Im zeitlichen Frühjahr des Jahres 1857 unternimmt Negrelli eine neuerliche Bereisung der Lombardisch-Venetianisehen Bahnen. Der das Ergebnis dieser Reise wiedergebende Bericht schildert die dort herrschenden, vom Irre- dentismus getragenen Personalverhältnisse und den von Frankreich ausgeübten, zersetzenden Einfluß. Im Mai dieses Jahres werden Negrelli und ein juridi- „ scher Beamter des Handelsministeriums — Sektionsrat Dr. Maly — zu Bevollmächtigten für die mit dem königlich-sardinisehen Beauftragten zu führenden Verhandlungen ernannt, die die Herstellung der Verbindung der piemontesi- schen mit den lombardischen Eisenbahnen zum Gegenstand haben.
Am 12. Juni dieses Jahres verfaßt Negrelli sein Testament, das er mit einem Bekenntnis der Treue zu seinem Glauben, seinem Vaterland und seinem Kaiser beginnt und sonst der Fürsorge für seine Frau, seine sieben Kinder und zahlreiche Geschwister widmet.
Im September dieses Jahres unternimmt er Dienstreisen nach Ungarn und Galizien. Die Anstrengungen dieser Reisen lassen ihn immer mehr erkennen, wie leidend er ist.
Die am 20. Dezember 1857 erflossene kaiserliche Willenskundgebung der Erweiterung der inneren Stadt Wien und der Verbindung derselben mit den