Erinnerungen an Rudolf Wegscheider.
Von
Dr. Anton Skrabal
Professor der Chemie an der Universität Graz i. R.
Mit einem Bildnis.
Am 8. Oktober dieses Jahres jährte sich zum neunzigsten Male der Tag, an dem der am 18. Jänner 1935 verstorbene langjährige Professor der Chemie und Vorstand des Wiener Ersten chemischen Universitätslaboratoriums Hof rat Dr. Rudolf Wegscheider in Groß-Becskerek (Ungarn) das Licht der Welt erblickte. Da dieser durch viele Jahre führender und repräsentativster Vertreter der chemischen Wissenschaft in der Monarchie und in der Ersten Republik gewesen, wurden. a<n diesem Tage an der Wiener Universität und im „Verein österreichischer Chemiker“ Gedenkfeiern abgehalten. Bei der engen Verbundenheit zwischen Wissenschaft und Technik, zwischen Theorie und Praxis, soll auch in den Blättern für Technikgeschichte dieses angesehenen 'Gelehrten von Weltruf und verdienten Altösterreichers gedacht werden.
Im Gegensatz zur Schwesterwissensobaft Physik ist die Chemie als exakte Wissenschiaft noch ganz jung. Ihre Geburtszeit fällt um die Wende 1800 mit der Aufdeckung der stöchiometrischen Grundgesetze und damit der Atom- und Molekulartheorie. An den ersten hieher gehörigen Tatsachen und chemischen Theorien haben vor allem England, Frankreich, Schweden und Deutschland teilgemommen, in Österreich war damals kein günstiger Boden für chemische Forschungen vorhanden, an den Hochschulen wurde die Chemie von Männern hauptsächlich aus den Kreisen der Mediziner und Botaniker gelehrt, die zwar chemische Kenntnisse besaßen, aber mit den chemischen Forschungsmethoden nicht ausreichend vertraut waren. Erst als im Jahre 1838 der berühmte deutsche Chemiker Justus von Liebig die Zustände der Chemie in Österreich in Lehre und Forschung in scharfen Worten geißelte, wurde das Augenmerk der maßgebenden Stellen auf die Besetzung der chemischen Lehrstühle und die Errichtung von chemischen Laboratorien gelenkt.
Als Begründer der wissenschaftlichen Chemie in Österreich kann man Anton Schrötter von Kristelli, Josef Redtenbacher, Friedrich Roch- leder und Heinrich Hermann Hlasiwetz amsehen. Eine liebevolle Darstel-