Aufsatz 
Erinnerungen an Rudolf Wegscheider / von Anton Skrabal
Entstehung
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Anton Skrabal

lung der Leistungen österreichischer Chemiker in Wissenschaft und Industrie bis zum Jahre 1914 hat mein Freund und Kollege, der allzufrüh verstorbene Vorstand des Wiener Zweiten chemischen Universitätslaboratoriums Ernst Späth im Almanach der Wiener Akademie der Wissenschaften für das Jahr 1927 gegeben. Heinrich Hlasiwetz, der zunächst in Innsbruck und von 1867 bis 1875 an der Wiener Technischen Hochschule wirkte, verstand es vortreff­lich, wissenschaftlich zu inspirieren, und aus seiner Schule sind als die be­deutendsten Männer Ludwig Barth Ritter von Barthenau und Hugo Weidel hervorgegangen.

Damit wären wir bei Rudolf Wegscheider angelangt, dessen Lehrer an der Wiener Universität die beiden letztgenannten waren. Wegscheider bezeich-

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Rudolf Wegscheider 1859 1935 .

nete L. von Barth als einen grundgescheiten Mann mit offenem Blick für alles - wertvolle Neue, ohne sich durch die bloße Tatsache bestechen zu lassen, daß etwas modern war. Die Vorlesungen von Barth und sein Konversatorium haben das chemische Denken Wegscheiders geformt. Beeindruckt war er auch von den schönen und klaren Vorlesungen des Physikers Josef Stefan. Im Jahre 1886 wurde Wegscheider Barths Assistent und unter seinem Nachfolger Weidel Dozent und Adjunkt am Chemischen Institut der Wiener Universität. Von einer kurzen Unterbrechung Assistent bei H. Landolt in Berlin und Chemiker in der Ammoniaksoda- und Schwefelsäurefabrik in Heilbronn (Würt­temberg), wo er den Beruf kennen lernte, dem sich die Mehrzahl der Chemiker zuwendet abgesehen, blieb er trotz verlockender Berufungen an die Uni­versitäten Graz und Prag und an die Wiener Technische Hochschule der Wiener Universität bis an sein Ende treu. Seine an der Wiener Technik schon frühzeitig erlangte Dozentur für theoretische Chemie legte er wegen Arbeite-