Franz Freiherr von Wertheim.
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dieser Weise zur Schau stellte, trotz mancher kleinen Schwäche, die man gutmütig belächelte oder übersah, eine „Persönlichkeit“ im vollen Wortsinn war und da er sein Werbetalent nicht etwa rücksichtslos nur für sich allein ausnutzte, sondern es auch stets gerne in den Dienst des gesamten österreichischen Gewerbes stellte und für dessen Geltung — auch im Ausland — unermüdlich tätig war, fand niemand an dieser für Wertheim charakteristischen Art etwas zu tadeln. Ihm aber, den man mit Recht als den Pionier neuzeitigen Werbewesens in Wien bezeichnen kann, war Alles und Jedes recht, wenn es nur die Aufmerksamkeit der Umwelt auf ihn und seine Erzeugnisse lenkte; sogar die Karikaturen, die von ihm veröffentlicht wurden, erfreuten
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Bild 7. Palais Wertheim am Schwarzenbergplatz in Wien, errichtet von Architekt
Heinrich Frh. v. Ferstel. 1863.
ihn, wenn er sie nicht sogar — wie vielfach behauptet wurde — selbst ver- anlaßte. War doch das Karikiertwerden nichts anderes als eine der vielen Seiten der von ihm brennend begehrten Popularität.
Wertheims Bemühen im Dienst der Allgemeinheit galt aber nicht dem Gewerbe allein. Er förderte auch die Künstlerschaft seiner Zeit durch wohlbezahlte Aufträge und unterhielt insbesondere zum Theater und zu den Bühnenleuten enge Beziehungen. Dies führte dazu, daß Wertheim 1872 im Hintertrakt seines Palais ein kleines reizendes Theaterchen errichten ließ. Dort veranstaltete er für seine Gäste private Theaterabende. Das Haus, das „Residenztheater“ hieß, wurde unter der Direktion E. Kirsch aber auch der Allgemeinheit zugänglich gemacht und erfreute sich durch die wenigen Jahre, während derer sein Betrieb aufrecht erhalten wurde, beim verwöhnteren Teil der Wiener Theaterbesucher großer Beliebtheit.
Als Beweis dafür, daß Wertheims Art nicht bloß der großen Masse seiner Zeitgenossen gefiel, sondern daß er auch bei den leitenden Persönlichkeiten