Schiffahrt im Pongau.
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hintergehen und zu betrügen suchte, wie auch sich endlich so betragen hat, daß Niemand von den Werfe- oder andern Arbeitern ferner unter ihm stehen und bleiben will; nicht minder klagten die Bauern, welche das Schiff führten so sehr, daß man (beinahe kein Treiibpferd mehr bekommen hätte, weil er sich als einen Waghals für Leute und Vieh erwiesen hat: unerachtet Scharfetters Brauchbarkeit groß ist, so sehen wir uns doch bemüßigt um einen andern kundigen Flösser umzusehen.“
Tatsächlich hatte Scharfetter das Schiff überladen lassen, wodurch er Mann und Ladung gefährdete. Am Montag pflegte er seinen Dienst statt um 4 Uhr früh, erst gegen 9 Uhr anizutreten, ohne sich darum zu kümmern, daß die Leute auf ihn warteten und unnötige Schichten erwuchsen. Durch seine Fahrlässigkeit fiel das Pferd des Mathias Wibmer beim Kreuzberg ins Wasser und, wenn es auch heil blieb, weigerte sich dieser Schiffstreilber doch mit seinem Roß, das ihm 132 fl. gekostet hatte, weiter den Dienst zu versorgen, falls das Werk nicht für die Zukunft die Haftung übernehme. Das Hauptvergehen Scharfetter aber bestand darin, daß er weniger Schiefer verlud, um auf eigene Rechnung Verfrachtungen für Private .besorgen zu können. Aber Scharfetter war inzwischen eine Berühmtheit geworden; er fand auch Beschützer unter den hohen Herren in der Residenz. So konnte er das Schiff bis zur Einstellung der Flußfahrt weiterführen. Im Jahr der Völkerschlacht von Leipzig aber siegte im Pongau das Pferd über das Schiff, das von da an nicht mehr benützt wurde. In jüngster Zeit hat ein Hochwasser den romantischen Pfad unter der Feste Hohen werfen, die letzte Erinnerung an den Schiffszug und den Schiffziehweg im Pongau zerstört.