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Heinbich Benedikt
gebaut; er batte eine Länge von fünfeinviertel Gehstunden. Wieviel der Bau gekostet hat, ist zwar nicht feststellbar, der Voranschlag führte jedoch 1241 fl. als Baukosten an. Sprengung und Herrichtung des 120 m langen und 1 m breiten Treidelpfades unter dem Schloßberg kosteten 540 fl. Zu „Klampfern, Steften und Haggen“ wurden auf der ganzen Strecke über 80 kg Eisen benötigt. Bald war der Treidelweg vom Blahaus bis Maschlwerkern in brauchbarem Zustand, von dort bis Grafendorf zwar benützbar, aber noch verbesserungsbedürftig, und da hier viele Ablösungen zu leisten waren, beschloß man, den Schiefer bis St. Johann auf Schlitten zu verführen. Der Pflegsadministrator und Bergrichter Joseph von Franciscis nahm mit den Bauern, über deren Gründe der Treidelweg lief, Protokolle auf und sprach die Entschädigung für den jährlichen Heuentgang oder die Kostenvergütung von „Thörln“ aur Fernhaltung fremden Weideviehs zu.
Die königlich bayrische Bergwesens-Hauptbuchhaltung hatte nicht so unrecht, wenn sie sich in einem Bericht an die Berg- und Hüttenwesensdirektion in München wie folgt äußerte: „Da bei einem so reißenden Fluß, wie es die Salzach ist, in welchen sich so viele Bergströme ergießen, nie zu erwarten ist, daß der Lauf des Flusses immer der nämliche bleibe, und daher nicht nur der Treibweg, sondern auch die Räumung der Salzache, dann die Entschädigungen der durch den Treibweg in ihren Feldern beschädigten Untertanen jährlich wenigstens auf 170 fl. angeschlagen Werden kann, welches auch die Rechnungen vom Jahre 1808, 1809 und 1810 hinlänglich bestätigen“, wären zu den 640 fl. 47 kr. 1 pf.. welche die Verfrachtung von 421 Truhen Schiefererz im Jahre 1810 kosteten, 170 fl. zuzuschlagen, wonach die Fracht sich auf 1 fl. 50 kr. 1 pf. erhöhte und — wenn auch nur um einen Pfennig — die Wagenifracht, die ja nur in schneearmen Wintern in Betracht kam, übertraf. Da der Schlitten billiger war als das Schiff, schien es ratsam, die Schiffahrt eimzustellen; aber der Mangel an Fuhrwerk sorgte dafür, daß sie noch 1812, da Pinzgauer Pferde bayrische Kanonen nach Moskau zogen, fortgesetzt wurde.
1810 berichtete der Werksverwalter Oberreiter, daß er Mathias Scharfetter nicht mehr verwenden wolle, da er „mit Ränken und Schwänken das Werk zu
Hammerwerk geschmiedet und die Gänge dieser auch dort geschnitten. (Gainschnigg an Bergdirektion am 22. März 1808 mit Beschreibung aller Baumaterialien und Kosten- Voranschläge — Hofkammer in Münz- und Bergwesen an Bergdirektion, Wien, 13. Juli 1808 in Oberämtliche Bergwasens Acten Fase. 119, Werfen 1808—14. Landesarchiv Salzburg. Die Zeichnungen Gainschniggs sind dortselbst in den Mappen aus der k. k. Bergwesen-Registratur, XXI. Werfen 1759—1812 aufbewahrt.) In der Eigenschaft als „k. bairisch provisorischer Kunstmeister“ baute Gainschnigg den Treidelweg zwischen Grafendorf an der Salzach und dem Blientauer Blähhaus aus. In den letzten Jahren seines Lebens, die Gainschnigg in Lend verbrachte, von wo die Straße aus dem Tal der Salzach in jenes von Gastein aufsteigt, hieß er Kunst- und Oberwerkmedster. 1827 errichtete der damals 68jährige in Badgastein, das unter der Förderung Erzherzog Johanns als Badeort wiederum aufzublühen begann, eine neue Hebemaschine an der Doktorquelle. Auch stammt von ihm der Plan der 8 km langen Thermalwasserleitung von Badgastein nach Hofgastein, die 1824 bis 1830 hergestellt wurde. Noch 1831 leitete Gainschnigg den Umbau der Aufzugsmaschine am Radhausberg, die er vor fast drei Jahrzehnten selbst gebaut hatte. Am 2. August 1835 starb er, 76 Jahre alt, in Lend und wurde am dortigen Friedhof zur ewigen Ruhe bestattet.