Schiffahrt im Pongau.
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werde nodh besser werden, wenn einmal der Treidelweg völlig hergerichtet sein werde und die Piferdschicht ermäßigt werden könne, vor allem aber, wenn man ein Schiff, das 10 Truhen, als« 2 mehr faßte, 'baute.
Martin Weiss zu Orthof erfreute sich des Schiffszugs-Monopols, sei es, daß außer seinem 'Gaul ‘kein andrer aufzutreiben war, sei es, daß die Nachbarn ihm das Geschäft nicht verderben wollten. Als er aber 5 fl. Schichtlohn und überdies die Vergütung des Hufbeschlags und der iStränge verlangte, kaufte die Werksverwaltung ein Pferd und fand einen Mann, der izuim alten Preis von 4 fl. 30 kr. für Roßfutter und Treibknecht das Schiffsziehen übernahm. Der Metzen Hafer kostete 1 fl. 45 kr. und war im Steigen. Bei zunehmender Schiffahrt fanden sich aber trotzdem auch andre Bauern mit ihren Pferden ein.
Im Schönbrunner Frieden vom 17. Oktober 1809 änderte Salzburg wieder seinen Besitzer und kam, wie es so üblich war und ist, ohne gefragt zu werden, an Bayern. Der für die Schiffahrt notwendige Treidelweg wurde während der Zeit der bayrischen Herrschaft vom „k. bairisch provisorischen Kunstmeister“ Joseph Gainschnigg * 2 zwischen Grafendorf und dem Hochofenwerk Blientau
2 Joseph Gainschnigg wurde 1759 in Wildbad Gastein als Sohn des dortigen Mesners und Lehrers geboren. Als er 7 Jahre alt war, übersiedelte der Vater in gleicher Eigenschaft zum neu errichteten Vikariat Böckstein. Dadurch kam Joseph Gainschnigg mit dem Bergbau in Berührung, in welchem schon seine Voreltern tätig gewesen waren. Bald darauf wurde er selbst iim Bergwesen beschäftigt und lernte alle dazugehörigen Arbeiten von der Pike auf. Nach wenigen Jahren konnte er beim Bergwerksamt in Böckstein in den Landesdienst treten. Erzbischof Hieronymus Colloredo, dem des jungen Gainschnigg Begabung für den Maschinenbau zur Kenntnis gekommen war, sorgte für dessen weitere Ausbildung, indem er ihm den berühmten Mathematikprofessor der Salzburger Universität Pater Ulrich Schiegg zum Lehrer gab. Gainschnigg war bald so weit, daß er dem Bergwerkmechaniker Anton May'r beim Bau einer Eörder- und Wasserhebemaschine am Radhausberg helfen konnte. Gainschniggs maschinenbauliches Meisterwerk ist die dort 1803/4 erbaute Aufzugmaschine mit Wasserantrieb. Nach deren Vollendung bereiste Gainschnigg auf Kosten seines neuen Landesherrn, des Großherzogs Ferdinand von Toskana, zum Zweck der weiteren Ausbildung die Bergbaureviere von Sachsen und Schlesien, die damals als die besteingerichteten des europäischen Festlandes galten. Heimgekehrt, zeichnete er die Pläne für den beabsichtigten Klausenbau an der Strub zu Oberalm und für die Wehrbauten im Glößbach bei Windisch-Matrei (Friedrich Breitinger, Kunst- und Oberwerkmeister Joseph Gainschnigg, Salzburger Vollksblatt,
2. August 1935). 1808 stellte der „K. k. Kunstmeister Joseph Gainschnigg aus Böckstein“ für das Werfener Hochofenwerk in Blientau ein neues Gebläse auf. Um einen gleichmäßigen Windstrom zu erzielen, baute Gainschnigg einen Windregulator, wie er bereits in Kendlbruck in Betrieb stand. Es ist zu vermuten, daß auch dieser von Gainschnigg errichtet wurde. Die Anlage des Böcksteiner Kunstmeisters bestand aus einem dreifachen hölzernen Kastengebläse, ähnlich jenem, welches der Direktor des Polytechnischen Institutes in Prag, Franz Joseph R. v. Gerstner, bei mehreren Eisenwerken Böhmens einführte und das nach diesem berühmten Technologen ,,Gerstner- Gebläse“ benannt wurde. Das Blientauer Gebläse lieferte in der Minute bei schwachem nur fünfmaligem Umgang des Wasserrades 1800 bis 2000 Kubikfuß Preßluft und beim höchsten Gang 2600 Kubikfuß in den Hochofen, während das alte Gebläse, das 1770 auf- gestellt worden war, in bestem Zustand und bei höchster Umlaufzahl nur 1000 bis 1100 Kubikfuß blasen konnte. Die neue Gebläsemaschine wurde an Ort und Stelle aus Lärchen- und Fichtenstämmen gezimmert., die eisernen Zugstangen für die Druckbodenkolben, die Zulegescheiben, Zugketten, Nieten, Nägel und Schrauben im eigenen