Aufsatz 
Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich / von Paul Dolch
Entstehung
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Paul Dolch:

wittern bilden, der Mensch willkürlich in die Natur eingreift und den für das Pflanzenwachstum erforderlichen Stickstoff, sei es als Stallmist, sei es als mineralischen Stickstoffdünger, zuführt.

Die Landwirtschaft blieb, nachdem die Menschen seßhaft geworden waren, jahrhundertelang in ihrer primitiven technischen Entwicklung stehen. Es war schon ein großer Erfolg, daß seit dem 18. Jahrhundert in fortschreitendem Umfang die notwendige Erholung des Bodens nicht mehr durch Brachliegen des Bodens, sondern durch Fruchtwechsel erreicht wurde. Revolutionierend aber wirkte erst die tief eingreifende Erkenntnis in die Eigenart der Pflanzen­ernährung, die wir Justus von Liebig verdanken. Mit der SchriftDie organi­sche Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur (1840) hat Liebig die moderne Düngerlehre begründet. Aus ihr ging die Fabrikation von mineralischem Dünger in großem Ausmaß hervor, auf ihren Forderungen wurde die moderne Stickstoff­industrie aufgebaut, die mit ihren Verfahren und ihren Anlagen einem neuen Zeitalter der technischen Chemie ihren Stempel aufgedrückt hat.

Welches Ausmaß der Nährstoffentzug durch die Ernte, bezogen auf den durchschnittlichen Ertrag in kg/ha annimmt, ist aus folgender Tabelle zu ent­nehmen :

Tabelle l 1 .

Durchschnittlicher Ernteertrag dz/ha

Nährstoffentzug kg/ha

N P 2 0 6 K 2 0

Winter weizen..

17,1

43

22

48

Winterroggen.

15,4

42

24

54

Sommergerste.

16,9

43

21

43

Hafer.

13,9

30

19

38

Spätkartoffel .

114,7

50

20

70

Zuckerrübe.

182,3

70

24

75

Der Handelsdüngerverbrauch Österreichs betrug hingegen im Düngerjahr 1948/49, ausgedrückt in t Reinnährstoff bzw. in kg/ha, wie in Tab. 2 angegeben:

Tabelle 2.

N 2

P 2 O s

k 2 o

Gesamtverbrauch .

19 600

25 600

18700 t

pro ha der gesamten landwirtschaft­lichen Nutzfläche.

4,70

6,15

4,50 kg/ha

ohne alpines Grünland und Streuwiese .

6,05

' 8,20

5,80 kg/ha

1 Entnommen den Stat. Nachrichten des Österr. Stat. Zentralamtes für das Jahr 1949.

Erläuterungen zu nebenstehendem Bild 1.

Im Vordergrund der Salzspeicher, links dahinter der Bau für die Ammoniakverbrennung und anschließend die Kondensationsanlage für die Salpetersäure. Weiter rechts in der Mitte des Bildes die Gasfeinreinigung mit der Laugeregeneration. Dahinter, schlecht erkennbar, der Bau für die Syntheseöfen. Weiter rechts die große Kom­pressorenhalle. Im Hintergund die Linde-Anlage und die Niederdruckbetriebe mit den Gasbehältern. Im Hinter­grund der Landschaft die Berge jenseits der Donau und das Kraftwerk der VÖEST.