Aufsatz 
Entwicklung und Stand der Stickstoffdüngerindustrie in Österreich / von Paul Dolch
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Entwicklung und Stand der Stickstoffdünger­industrie in Österreich.

Von

Dr. Ing. Paul Dolch, Linz.

Mit 8 ganzseitigen Bildern und 3 Textbildern.

Wer bewirkt, daß dort, wo ein Halm wuchs, deren zwei wachsen, der leistet mehr für sein Volk als ein Feldherr, der eine große Schlacht gewinnt.

Justus von Liebig 1 * .

I.

Die Bausteine, die die mannigfaltigen P^ormen der Pflanzenwelt gestalten, sind die Zellen; diese bestehen aus den im wesentlichen aus Kohlenstoff, AVasser- stoff und Sauerstoff aufgebauten Zellwänden und der in ihnen gespeicherten Protoplasmaflüssigkeit. Das Protoplasma ist die lebende Substanz der mensch­lichen, tierischen und pflanzlichen Zelle, der Träger aller Lebenserscheinungen; es besteht vorwiegend aus Eiweißstoffen, die neben Kohlenstoff, AVasserstoff und Sauerstoff noch Stickstoff enthalten. Da die Eiweißstoffe der Pflanzen eine wesentliche Grundlage der menschlichen Ernährung bilden, ist aller ge­bundener Stickstoff aufs engste mit dem Leben verknüpft und umgekehrt. Es ist ersichtlich, wie wichtig gerade die Stickstof ff rage für das Leben auf der Erde ist.

AVährend die Pflanze die stickstofffreien Stoffe durch Aufnahme und Assi­milation von AVasser aus dem Boden und Kohlensäure aus dem Reservoir der umgebenden Luft aufbaut, ist es ihr, abgesehen von einer Familie der Pflanzen, den Schmetterlingsblütlern, verwehrt, den ungebundenen Stickstoff direkt zu assimilieren. Die Pflanze kann im allgemeinen den Stickstoff nur in gebundener Form, und zwar vornehmlich als Salpeterstickstoff, aufnehmen. f]s ist also dazu erforderlich, daß, abgesehen von den bei der A 7 erwesung der Pflanzen am Ort entstehenden Stickstoffverbindungen (Gründüngung) und den geringen Mengen Stickoxyden, die sich durch elektrische Entladung in der Atmosphäre bei Ge-

1 Zur Geschichte diesesHALM-Zitates sieheUmschau 46 (1942), S. 539 und

47 (1943), S. 43.