Aufsatz 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins / von Franz Kirnbauer
Entstehung
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Franz Kirnbauer: Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur

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Setzung der vormaligen Staatlichen (Aerial-) Porzellan-Manufaktur Wien und führt als Markenzeichen bekanntlich das Bindenschild-Wappen mit Herzogshut (Abb. 1).

In der nachfolgenden Abhandlung wird nur die Geschichte der Wiener Por­zellan-Manufaktur behandelt. Die Geschichte der übrigen österreichischen Por­zellanfabriken ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Die Wiener Porzellanmanufaktur unter Du Paquier 17181744

Der Gründer der Wiener Manufaktur war der aus Trier stammende Hofkriegs­ratagent Claudius Innocentius Du Paquier. Er berief den Emailleur und Ver­golder Christoph Hunger und den Werkmeister der Meißner Porzellanmanu­faktur Samuel Stölzel nach Wien. Es mag wirklich nicht leicht gewesen sein, diese bereits damals anerkannten Meister nach Wien an ein neues Unternehmen zu fesseln, denn die beiden hatten in der König]. Sächsischen Porzellanfabrik in Meißen gute Stellungen und geachtete Namen. Außerdem war bekannt, daß Kurfürst August II. das Geheimnis Böttgers streng hütete. Das erste Meißner Porzellan, 1709 von dem Dresdner Alchimisten Johann Friedrich Böttger er­funden, wurde buchstäblich mit Gold aufgewogen. Doch das Gold Du Paquiers siegte über die Sparsamkeit Augusts II. und um 1718 gelang es der Initiative Du Paquiers, die Wiener Porzellanmanufaktur in Betrieb zu setzen.

Um diese Zeit, es war nach den großen Siegen des Prinzen Eugen, war für Österreich ein großer Aufschwung gekommen. Kaiser Karl VI. hatte ein Patent erlassen, in dem industrielle und kommerzielle Gründungen unterstützt wurden. Im Jahre 1718 erhielt Du Paquier das gewünschte Privilegium. Dasselbe be­findet sich noch heute im Staatsarchiv Wien. Dieses kaiserliche Privilegium wurde am 27. Mai 1718 zu Laxenburg unterzeichnet und berechtigte die Inhaber, die durch ungemeine Wissenschaft, Mühe, Sorge, Fleiß, Gefahr und Unkosten, ohne daß das Aerar im Geringsten etwas dazu vorschießen durfte, erzeugte fein gemalte, gezierte und auf allerhand Art verzierte Porzellanmajolika und indiani­sches Geschirr, Gefäß und Gezeug, wie solche in Ostindien und anderen fremden Ländern gemacht werden, allein zu erzeugen und sowohl im Großen als Kleinen in den Erbländern zu verkaufen.

Die erste Porzellanherstellung in Wien durch Du Paquier und seine Mit­arbeiter erfolgte in einem Kleinbetriebe in der Roßau in der ehemaligen Drei- Mohrengasse im jetzigen 9. Bezirk, und zwar in einem dem Grafen Kuefstein gehörigen Hause mit 10 Arbeitern und einem Brennofen. Eine der ersten Maler­signaturen aus dieser Zeit, die Unterschrift Hungers, zeigt Abb. 2.

Der materielle Erfolg blieb jedoch anfangs aus und die beiden Meißner Fach­leute, die nicht entsprechend bezahlt werden konnten, flüchteten nach drei Jahren heimlich aus Wien, nicht ohne vorher die wertvollsten Modelle zu zerstören. Die Manufaktur schien verloren.

Du Paquier war jedoch eine zähe Natur und verzweifelte nicht. Da die beiden Porzellanmeister oder, wie sie damals genannt wurden,Arkanisten, das Ge-