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Franz Kirnbauer
dern im Stil Raffaels entstanden. Die Anregung zur Dekoration dieser neuen Geschirre gaben die antiken Wandmalereien, die damals in Herkulanum und Pompeji wieder aufgedeckt wurden sowie die Grotesken Raffaels in den Loggien des Vatikans, die durch Stiche verbreitet waren. Eine Reihe entzückender Alt- Wiener Figuren und Gefäße, die zu den Perlen keramischer Kunst gezählt werden dürfen, wurden in dieser Zeit erzeugt (Abb. 11).
Als Plastiker dieser Epoche ist vor allem der Künstler Grassi zu nennen, der jahrelang seine Modelle aus den römischen Ausgrabungen in Pompeji und anderen Städten holte. Der Arkanist Leithner erfand 1792 das berühmte „Leithner Blau“, die Farbe, die für Wiener Porzellan geradezu charakteristisch geworden ist. Der Bedeutendste jener Zeitepoche ist aber der IHgurenmaler Weichsel-
Bild 8. Unterschrift Du Paquiers auf dem Verkaufsvertrag (1744)
baum, der 58 Jahre in Wien tätig war. In der Wiener Porzellanmanufaktur wurde auch das berühmte Relief gold, die unerreichte Spezialität, Gold in ölen aufzulösen und auf Porzellan zu malen, erfunden, die für das Erzeugnis jener Epoche tonangebend war.
Tm Jahre 1805 starb Konrad Freiherr Sörgel von Sorgenthal, der berühmteste Direktor der Wiener Manufaktur. Unter ihm war die Wiener Porzellanfabrik zur ersten der Welt geworden und noch heute bedeutet die „Epoche Sorgenthal“ für jeden Sammler einen festen Begriff höchster künstlerischer Leistung.
Biedermeierzeit 1805—1848
Der Nachfolger Baron Sorgenthals wurde Matthias Xiedermayer. Er übernahm die Fabrik zu dem Zeitpunkte, da die Heere Napoleons sich über Europa ergossen und auch Wien von den Franzosen besetzt wurde. Das wertvolle Porzellan lockte die Franzosen an, und als einer der ersten erschien im Jahre 1806 Talleyrand, der Außenminister Napoleons, in der Manufaktur in Wien und mit ihm die ganze Generalität. Niedermayer war es gelungen, die wertvollsten Stücke noch rechtzeitig nach Budapest zu verlagern, trotzdem aber hatte die Manufaktur so manches wertvolle Stück und Service an die Eroberer abzuliefern. Erst die Verbindung mit dem Generalintendanten Darru ermöglichte eine etwas schonendere Behandlung der Porzellanmanufaktur, und es kam sogar zu einer Art freundschaftlichen Verhältnisses mit der Porzellanmanufaktur Sövres, mit der technische Ratschläge und Probestücke ausgetauscht wurden. Aus dieser Zeit stammt das berühmte NAPOLEON-Service, das die Manufaktur nicht weniger als 3000 Gulden kostete und das für die Hofhaltung Napoleons in das