Aufsatz 
Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur und ihre Beziehung zur Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins / von Franz Kirnbauer
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Franz Kirnbauer

Die Wiener Porzellanfabrik fand dann in der Biedermeierzeit neuerdings größte Förderung. Diebürgerliche Intimität, die Ausbildung des gefühlvollen Familienlebens, griff mit Begierde nach der bisher nur von den Aristokraten ge­pflogenen Sitte des Erwerbs von Porzellanstücken. Besonders beliebt war es, in der Fabrik eigene Geschenkstücke zu bestellen, so zu Geburtstagen und Namenstagen Schokoladetassen mit Monogrammen, Ansichten, Bildern, Allegorien, mit Ver­sicherungen ewiger Liebe und Freundschaft u. ä.

Die Manufaktur unter Kaiser Franz Joseph 18481864

Schon Ende des 18. Jahrhunderts waren auf den Kaolinfeldern in der Um­gebung von Karlsbad die ersten böhmischen Porzellanfabriken gegründet worden. Die reichen Rohstoffvorkommen zusammen mit den unerschöpflichen Wäldern, mit der in nächster Nähe gefundenen hochwertigen Braunkohle, ermöglichten eine billigere Erzeugung als in Wien. Noch aber war der Transport der Ware ein großes Hindernis und auch die künstlerische Leistung dieser Fabriken konnte an die Wiener Erzeugnisse nicht herankommen.

Als aber zur Biedermeierzeit Porzellan auch Gemeingut des Bürgerstandes wurde und die Massenerzeugung in Wien das künstlerische Niveau herab­setzte, machte sich bereits die böhmische Konkurrenz stark fühlbar. Und als end­lich zu Ende der Biedermeierzeit infolge des Baues von Eisenbahnen ein sicherer Transport der wertvollen und gebrechlichen Ladung ermöglicht wurde, war das Schicksal der Wiener Porzellanmanufaktur besiegelt.

Nach den Revolutionsjahren 1848/49 erlebte das Wiener Werk nochmals durch den jungen Kaiser eine neue Förderung. Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth wurden in prachtvollen Bisquitarbeiten abgebildet und das reich gewordene Bürgertum bevorzugte augenscheinlich die Erzeugnisse der kaiser­lichen Manufaktur.

Aber auch die nordwestböhmische Porzellanindustrie war mittlerweile durch Zusammenlegung zur Großindustrie geworden. Ihr Einfluß im Parlament und Herrenhaus setzte die Stillegung der Wiener Fabrik durch. Im Jahre 1864 ge­nehmigte der Kaiser die vom Parlament beschlossene Auflassung der Wiener Porzellanmanufaktur, da sich die Ansicht durchgesetzt hatte, daß eine Staats­fabrik eigentlich keine Berechtigung habe und nur geeignet wäre, private Inter­essen zu schädigen.

Stillegung der Wiener Porzellanfabrik und Verwendung der Formen in böhmischen Fabriken 18641922

Wenn auch die Tore der Porzellanfabrik in Wien geschlossen worden waren, so war der Geist in ihren Formen erhalten geblieben. Zunächst versuchten einige Unternehmer in der Nähe von Wien, dann später das Haus Wahliss, in Karlsbad mit den alten Formen der ehemals kaiserlichen Manufaktur die beliebten und gut eingeführten Service in Formen sowie auch Dekor nachzumachen. Aus dieser Zeit stammen recht unglückliche Kopien der herrlichen Alt-Wiener Erzeugnisse