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Franz Kirnbauer
reich ausgebildet. Das Porzellan erwies sich als ein dem Formgefühl des Rokokos besonders entsprechender Werkstoff.
Der Ruf „Schaff Gold, Böttger!“ ist bekannt. Wie es dazu kam, möge kurz ausgeführt werden:
Johann Friedrich Böttger, in Schleiz am 4. Feber 1682 als Sohn eines Münzkassiers geboren, war ein Sonntagskind. Er übersiedelte mit seinen Eltern nach Magdeburg. Mit 14 Jahren kam er zum Apotheker Zorn nach Berlin in die
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Bild 21.■ Wiener Porzellanfabrik Augarten. Entnahme eines Rohlings aus der Gießform Photo: Bildarchiv Österr. Nationalbibliothek
Lehre. Hier lernte er die Chemie, d. h. er wurde in die Geheimnisse der Alchemie eingeweiht und in die Zunft der „Adepten“ aufgenommen. Wie damals allgemein üblich, versuchte auch Böttger, den Stein der Weisen zu finden, bzw. aus unedlen Stoffen Gold herzustellen. Im Jahr 1701 soll er bereits die erste Probe gediegenen Goldes gewonnen haben.
Die Kunde davon drang bis an den sächsischen Hof. AYie viele Herrscher zur damaligen Zeit, war auch Kurfürst Friedrich August I. oder August der Starke überaus begierig, zur Auffrischung seiner persönlichen und Staatsfinanzen einen Goldmacher bei sich zu haben. Kurz entschlossen, und um ihn nicht dem preußischen König zu überlassen, ließ er daher Böttger im Oktober 1701 gefangennehmen und nach Dresden bringen. Hier, bzw. in Meißen, hielt er ihn dann jahrelang in willkürlicher Weise seiner Freiheit beraubt. „Schaff Gold!“ lautete die Weisung des Kurfürsten an Böttger.
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