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Franz Kirnbauer
Haftfähigkeit der Druckfarbe und gewährleistet eine geschlossene Oberfläche sowie Undurchsichtigkeit des Papiers. Bei farbigen Papieren bewirkt der Kaolin ein bedeutendes Aufhellungsvermögen. Als Papierkaolin wird in Österreich Schwertberger und Aspanger Kaolin verwendet.
Weitere V er wen dungsgebiete bestehen in der Anwendung des Kaolins als Füllstoff in der Gummiindustrie, weiters an Stelle von Ton hei der Herstellung von Bleistiftminen, sowie in der Kosmetik, Pharmazie und chemischen Industrie. Diese Anwendungsmöglichkeiten für Kaolin wurden zu Ende des 19. Jahrhunderts bzw. im 20. Jahrhundert neu erschlossen.
Besonders feine Kaoline sind unter dem Namen „Kolloidkaolin“ seit ungefähr 20 Jahren auf dem Markt eingeführt. Die Verkaufswerbung hiefiir setzte von USA. aus ein. Auch die „Kamig“ österr. Kaolin- u. Montanindustrie A. 0. Wien, wandte der Herstellung dieser neuen Kaolinsorten bald ihr Augenmerk zu und besitzt seit einiger Zeit ein Verfahren, nach welchem auch die feinsten Kol- loidkaoline wirtschaftlich hergestellt werden können.
Kolloidkaolin wird besonders gern in der Kosmetik angewandt. Auch in der Pharmazie wird Kolloidkaolin auf Grund seines hohen Basenaustauschvermögens für mannigfache Zwecke verwendet, so z. B. als Salbengrundlage oder als Mittel gegen ruhrartige Erkrankungen, Gifte und Fäulnisstoffe, auf Grund seiner günstigen hohen Adsorptionseigenschaften. Weitere Anwendungen als Mittel gegen zu hohe Magensäure, als Streupulver und für Zahnpasten sind bekannt. Kaolin wird ferner in der Dermatologie für Schüttelmixturen und flüssige Puder verwendet, welche hei Ekzemen angewandt und nach dem Aufstreichen an der Hautoberfläche trocknen sollen.
Die bekannteste Verwendung von Kaolin in der chemischen Industrie ist die zur Herstellung von Aluminiumsulfat. Die Darstellung mittels Schwefelsäure ist seit über 100 Jahren bekannt. In Österreich hat die Kamig A. G. seit 1935 ein neues Aluminiumsulfat-Verfahren entwickelt, das sich mit Erfolg gegen Konkurrenzverfahren des In- und Auslands durchsetzen konnte.
Kaolin wird weiter auch zur Erzeugung von Ultramarin gebraucht. Ultramarin ist ein schwefelhaltiges Natrium-Tonerde-Doppelsilikat. Die Darstellung erfolgt durch Glühen (Kalzinieren) des Kaolins zusammen mit Glaubersalz oder Soda, Schwefel und Kohle (Pech).
Ziemlich unbekannt ist die "Verwendung von Kaolin als Ausgangsprodukt zur Herstellung von Sillimanit. Sillimanit ist ein wasserfreies Aluminiumsilikat und bildet sich künstlich durch Zerfall des Kaolins hei 1300 bis 1500° C. Sillimanitsteine zeichnen sich durch außerordentlich hohe Feuerfestigkeit aus. Rohkaolin wird auch in der Feuerfest-Industrie zur Schamottesteinerzeugung u. a. verwendet. Unter Umständen dient er auch als Rohstoff zur Tonerdeerzeugung.
Um das gesamte Anwendungsgebiet des Kaolins, wie es in den letzten 50 Jahren erschlossen wurde, noch kurz zu kennzeichnen, seien bloß stichwortartig folgende Verwendungszwecke aufgezählt: Verwendung in der Seifenindustrie als Füllstoff hzw. Ersatzseife in Kriegszeiten. Verwendung als Füllstoff bzw. als Substanzträger in der Kabel-, Wachstuch-, Kunststoffe- und Kunstharzfabrikation, ebenso in bescheidenem Maße in der Schallplattenindustrie. Für die Farben-