Geschichte der Wiener Porzellanmanufaktur
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in neuer Zeit noch viele andere, vor allem technische Verwendungsarten von größter Bedeutung hinzu. Auf sie näher einzugehen, verbietet der Raum. Als Beispiel soll nur auf die Bedeutung der Verwendung des Porzellans in der Elektroindustrie und Elektrotechnik sowie in der chemischen Industrie hingewiesen werden.
Wenig bekannt ist auch die Verwendung des Porzellans zu Münzen und Geld. In Siam dienten Scheiben aus Porzellan als Spielmarken in den Spielhäusern. In Deutschland wurden 1919 bis 1923 Porzellanmünzen durch die Staatl. Manufaktur Meißen geprägt, sind aber nicht amtlich zur Einführung gelangt.
Technische Verwendung des Kaolins
Wenn über die Bedeutung des Porzellans in einer Darstellung über die Entwicklung der technischen Verwendung des Kaolins so ausführlich gesprochen wurde, so nur deshalb, weil die Bedeutung des Porzellans für unsere Zeitgeschichte sowie kulturelle und technische Entwicklung so überragend groß ist und damit auch der Anteil des unscheinbaren Rohstoffes „weiße Erde“ oder Kaolin, der im Porzellan einen wesentlichen Bestandteil ausmacht. — Die gleiche Bedeutung wie für das Porzellan hat der Kaolin selbstredend auch für die Herstellung von Steinzeug und Steingut, doch kann davon abgesehen werden, hierauf näher einzugehen.
Eine weitere bedeutende Verwendung findet der Kaolin, wie bereits eingangs erwähnt, gegenwärtig in der Papierindustrie. Die Papierherstellung ist bekanntlich, gleich der Porzellanherstellung, ebenfalls sehr alt. Das Papier soll im Jahr 105 n. Chr. von dem Chinesen Ts’ai Lun erfunden worden sein. Die von ihm benutzten Rohstoffe waren Baumrinde, Lumpen, Hanf und Fischnetze. In Turkestan lernten die Araber die Kunst des Papiermachens durch chinesische Kriegsgefangene zu Samarkand im Jahr 751 kennen. 794 wurde in Bagdad eine staatl. Papier-Manufaktur errichtet, über die Araber kam das Papier nach Europa. Ende des 12. Jahrhunderts finden sich die ersten Spuren einer Papiererzeugung in Deutschland. Als die erste sicher nachgewiesene Papiermühle auf europäischem Boden gilt die zu Fabriano in Italien (1340). Die erste sicher bezeugte deutsche Papiermühle ist die für Ulm an Stromer im Jahr 1389 erbaute Geismühle bei Nürnberg, wo am 22. Juni 1390 das erste Papier hergestellt wurde. Die älteste österreichische Papiermühle ist diejenige zu Leesdorf unweit Baden bei Wien (1513). Um das Jahr 1640 wurde der „Holländer“ erfunden. Im Jahre 1718 kam der erste „Holländer“ nach Deutschland. Die Papiererzeugung wurde im 19. Jahrhundert wesentlich vervollkommt und maschinell eingerichtet, vor allem durch die Erfindung der Langsiebmaschine. In der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts wurde dann der Kaolin als Füllstoff in der Papierindustrie eingeführt und nimmt seitdem einen beachtlichen Rang hierin ein.
Die jährlich in der Papierindustrie benötigten Kaolinmengen sind in allen Kulturstaaten bedeutend. Die in der Papierindustrie verlangten Sorten müssen sich durch hohen Weißegrad auszeichnen, verbunden mit großer Deckfähigkeit und niedrigem Leimverbrauch. Der Kaolin gibt dem Papier das Gewicht, erhöht die